Ursächlich dafür sei insbesondere die schwächere Binnennachfrage, sagte die Französin am Donnerstag auf der Pressekonferenz nach der Zinssitzung in Frankfurt. Schärfere Finanzierungsbedingungen drückten auf die Ausgaben. Dies sei an der Industrieproduktion abzulesen, die auch unter dem schwachen weltwirtschaftlichen Umfeld leide. Der Dienstleistungssektor erweise sich als widerstandsfähiger, habe jedoch an Schwung verloren. "Es ist zu erwarten, dass die Wirtschaft kurzfristig schwach bleiben wird", so das Fazit der EZB-Chefin. Mit der Zeit würden fallende Inflationsraten und steigende Einkommen jedoch eine Konjunkturerholung stützen.

Für die am Montag anstehenden Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal erwarten Experten ein kleines Wachstum von 0,2 Prozent. Damit wäre die Talfahrt der Wirtschaft im Euroraum im Frühjahr zu Ende gegangen. Zuvor war es beim BIP zwei Quartale in Folge leicht bergab gegangen. Die Vorzeichen für die Konjunkturentwicklung sehen im Sommer jedoch nicht gut aus. Insbesondere die Konjunkturschwäche in Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euroraum, zog die Wirtschaft zuletzt nach unten. So war der Einkaufsmanager-Index für die Eurozone im Juli um 1,0 auf 48,9 Punkte gefallen. Das war der zweite Rückgang in Folge und der schlechteste Wert seit November 2022. Auch andere Konjunkturbarometer wie der Sentix-Index, der auf einer Umfrage unter Investoren fusst, untermauerten zuletzt die Rezessionssorgen.

(Reuters)