Ursächlich dafür sei insbesondere die schwächere Binnennachfrage, sagte die Französin am Donnerstag auf der Pressekonferenz nach der Zinssitzung in Frankfurt. Schärfere Finanzierungsbedingungen drückten auf die Ausgaben. Dies sei an der Industrieproduktion abzulesen, die auch unter dem schwachen weltwirtschaftlichen Umfeld leide. Der Dienstleistungssektor erweise sich als widerstandsfähiger, habe jedoch an Schwung verloren. "Es ist zu erwarten, dass die Wirtschaft kurzfristig schwach bleiben wird", so das Fazit der EZB-Chefin. Mit der Zeit würden fallende Inflationsraten und steigende Einkommen jedoch eine Konjunkturerholung stützen.
Für die am Montag anstehenden Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal erwarten Experten ein kleines Wachstum von 0,2 Prozent. Damit wäre die Talfahrt der Wirtschaft im Euroraum im Frühjahr zu Ende gegangen. Zuvor war es beim BIP zwei Quartale in Folge leicht bergab gegangen. Die Vorzeichen für die Konjunkturentwicklung sehen im Sommer jedoch nicht gut aus. Insbesondere die Konjunkturschwäche in Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euroraum, zog die Wirtschaft zuletzt nach unten. So war der Einkaufsmanager-Index für die Eurozone im Juli um 1,0 auf 48,9 Punkte gefallen. Das war der zweite Rückgang in Folge und der schlechteste Wert seit November 2022. Auch andere Konjunkturbarometer wie der Sentix-Index, der auf einer Umfrage unter Investoren fusst, untermauerten zuletzt die Rezessionssorgen.
(Reuters)

2 Kommentare
"Die Gesamtverschuldung im Verhältnis zum BIP liegt in den USA bei 293%,
genauso wie im Euroraum – neue Rekordhochs. In Europa sticht
Frankreich mit einer Quote von 371% negativ hervor. Frankreich ist eine
grosse Volkswirtschaft und das schwächste Glied in der Währungsunion.
Es gibt keine Geldpolitik, die für Frankreich und Deutschland passend ist
– ein Land mit einer Gesamtschuldenquote von nur 209%."
Wäre Frankreich in der Lage, Zinserhöhungen durch die EZB zu
überstehen?
"Nein, die EZB wird die Zinsen nicht erhöhen, das würde Frankreich in den Bankrott treiben. Vergessen Sie Griechenland oder Italien. Frankreich
ist das Problem. Französische Unternehmen haben einen riesigen
Schuldenberg. Aber Christine Lagarde ist viel mehr Politikerin als Zentralbankerin. Notenbankjobs sind Stellen für Politiker. Deshalb kündigen die Deutschen immer wieder ihre Positionen bei der EZB, da sie wissen, dass die Organisation politische Ziele verfolgen muss und nicht
Preisstabilitätsziele. Lagarde weiss, dass Zentralbanker in einer Welt der Finanzrepression mehr oder weniger obsolet sind. Als Anwältin ist sie
gefügig in der neuen Aufgabe, Schulden wegzuinflationieren, um
politische Ziele zu verfolgen."
Russell Napier: «Ältere Menschen werden schleichend
bestohlen»
SYLVIA WALTER, 09.11.2021
Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt:
"Es ist gut, dass sich die EZB die Möglichkeit offen gelassen hat, ihre Zinsen weiter anzuheben. Denn ein Einlagensatz von 3,75 Prozent steht noch nicht für eine ausgeprägt restriktive Geldpolitik, die mit Blick auf die deutlich gestiegenen Inflationserwartungen notwendig ist. Auch die rasch anziehenden Löhne legen ein tieferliegendes Inflationsproblem nahe, das ein entschiedenes Handeln erfordert."
Das sagen Ökonomen zur erneuten Zinserhöhung der EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihren Straffungskurs im Kampf gegen die hartnäckige Inflation fort. Die Reaktion von Ökonomen in der Übersicht.
27.07.2023 14:21