Die Aktie von Novo Nordisk hat im Januar bislang 14 Prozent zugelegt und steuert damit auf den besten Monat seit August zu. Novo Nordisk hat vor wenigen Wochen mit dem Verkauf seiner Wegovy-Tablette begonnen, war damit schneller als der Rivale Eli Lilly und sorgte nach einer Reihe schlechter Nachrichten im vergangenen Jahr für eine Stimmungsaufhellung.

«2026 wird ein Übergangsjahr sein», sagte Robert Hannaford, stellvertretender Portfoliomanager des Evenlode Global Income Fund, und fügte hinzu, dass der Tablettenstart gut zu verlaufen scheine. «Langfristig ist das Wachstumspotenzial enorm.»

Analysten von Goldman Sachs stimmen dem zu. Sie haben kürzlich ihr Kursziel für die Novo Nordisk-Aktie angehoben und erklärt, dass die Wegovy-Tablette kurzfristig die Stimmung treiben dürfte.

Eine Wende kann nicht schnell genug kommen. Nach einem Jahr mit enttäuschenden Ergebnissen klinischer Studien und mehreren Gewinnwarnungen wurden die Novo Nordisk-Aktien gehandelt, als hätte es den Hype um Adipositasmedikamente nie gegeben. Das Unternehmen ernannte zudem im vergangenen Jahr einen neuen Vorstandsvorsitzenden, Mike Doustdar, und stellte seinen Vorstand neu auf.

Doustdar wurde laut TD-Cowen-Analyst Michael Nedelcovych damit beauftragt, «das Ruder herumzureissen», und habe betont, dass grössere strategische Veränderungen unwahrscheinlich seien. Nedelcovych zeigte sich «vorsichtig optimistisch», dass Novo Nordisk wieder an Dynamik gewinnen kann.

Tablette und Zahlen als Katalysatoren

Die erste grosse Herausforderung für das Unternehmen besteht darin, seinen First-Mover-Vorteil bei oralen GLP-1-Medikamenten zu nutzen. Der Wettbewerb wird hart sein, da Tabletten als Schlüssel zur Ausweitung des Marktes für Adipositasmedikamente gelten, da sie für Patienten bequemer sind als Injektionen. Eine regulatorische Entscheidung in den USA über die Tablette von Eli Lilly namens Orforglipron wird im nächsten Quartal erwartet.

Die ersten Verkaufswochen der Wegovy-Tablette waren «zweifellos stark», so Jefferies-Analyst Michael Leuchten. Dennoch habe man bisher noch keine Ausweitung der gesamten GLP-1-Volumina von Novo Nordisk nach der Markteinführung gesehen.

Ein kurzfristiger Katalysator steht am kommenden Mittwoch an, wenn Novo Nordisk seine Ergebnisse vorlegt. Trotz des Tablettenstarts erwarten Analysten, dass der Jahresumsatz 2026 erstmals seit fast einem Jahrzehnt sinken wird. Grund dafür sind intensiver Wettbewerb und fallende Preise. Aufsichtsratschef Lars Rebien Sørensen warnte diese Woche, dass sich das Unternehmen vor einem Preiskrieg schützen müsse.

Langfristig stellen einige Analysten weiterhin infrage, woher Novos zukünftiges Umsatzwachstum kommen soll, insbesondere angesichts der drohenden Konkurrenz durch Generikahersteller. «Novo Nordisk hat noch immer nicht genug in der Pipeline, um über 2031 hinaus Wachstum zu generieren», sagte Barclays-Analyst James Gordon.

Historisch günstige Aktie

Marktteilnehmer haben Novo Nordisks Comeback bereits früher vorhergesagt – und wurden enttäuscht. Das hat zu mehr Vorsicht geführt: Nur 15 von Bloomberg beobachtete Analysten sprachen sich bis zum Handelsschluss am Donnerstag für einen Kauf der Novo-Aktie aus, fast 30 Prozent weniger als zu Beginn des vergangenen Jahres. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel deutet nur auf begrenztes Aufwärtspotenzial hin.

Dennoch ist die Aktie im historischen Vergleich günstig bewertet. Sie wird mit etwa dem 17-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, weniger als die Hälfte des Multiplikators aus dem Jahr 2024, als Novo das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas war. Im Vergleich zu Eli Lilly, das mit dem 30-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet wird, ist die Aktie ebenfalls günstig.

Analysten wie jene von CICC sind optimistisch. Sie verweisen auf die experimentellen Medikamente CagriSema und Amycretin, die möglicherweise 2027 und 2028 auf den Markt kommen, sowie auf Novos Bemühungen, den Einsatz von GLP-1-Medikamenten auf Bereiche wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Lebererkrankungen auszuweiten.

«Die Strategie von Novo Nordisk entwickelt sich von einem einzelnen Blockbuster hin zum Aufbau eines plattformbasierten Ökosystems», sagte CICC-Analyst Yuan Gao. «Wir erwarten eine Neubewertung der Aktie, sobald wichtige klinische Daten und neue Produkteinführungen die sekundäre Wachstumsstrategie des Unternehmens bestätigen.»

(Bloomberg)