Leonteq - Der trockene und klanglose Abtritt von Jan Schoch

Der Druck der Investoren wurde offenbar zu gross: Leonteq-Gründer und CEO Jan Schoch zieht sich aus der Führung der Finanzfirma zurück. Wie es mit ihm und Leonteq nun weitergeht.
06.10.2017 10:55
Von Daniel Hügli
Jan Schoch im Video-Interview mit cash.ch im Februar 2017.
Jan Schoch im Video-Interview mit cash.ch im Februar 2017.
Bild: cash

Noch im Frühjahr hielten sich hartnäckig Spekulationen, wonach Jan Schoch bei der in Schieflage geratenen Leonteq als CEO abtreten müsse. "Es ist nicht das Richtige zu diesem Zeitpunkt", sagte Schoch damals im Interview mit cash.ch. "Ich bin voll 'committed', für diese Firma weiterzuarbeiten. Und wir werden die Firma zurück auf Kurs bringen."

Nun ist es also doch passiert. Schoch tritt per sofort als CEO zurück. Das teilt Leonteq am Freitagmorgen mit, ohne dass Gründe für den Abtritt gemacht werden. Schoch selber lässt sich so zitieren: "Ich werde mich fortan exklusiv auf strategische Wachstumsinitiativen von Leonteq konzentrieren. Wir sind der Ansicht, dass dies im besten Interesse des Unternehmens liegt". Das tönt nicht nach rein freiwilligem Rücktritt.

Leonteq-Mitgründer Schoch hat bloss noch beratende Funktion und übernimmt die neu geschaffene Position als "Senior Advisor Strategic Growth Initiatives". Leonteq beeilt sich mitzuteilen, dass das Unternehmen ein profitables drittes Quartal erzielt habe und operationell wie auch finanziell solide aufgestellt sei. Wohl um Spekulationen gleich einen Riegel zu schieben, dass Leonteq die gesteckten Profitabilitätsziele nicht erreicht hat. 

Leonteq, gegründet im Jahr 2007,  war 2016 nach einem scharfen und überoptimistischen  Wachstumskurs ins Schleudern geraten und trat dann überdies reichlich spät auf die Kostenbremse. Als Teil der Korrekturmassnahmen kündigte Leonteq im Februar die Ernennung eines stellvertretenden CEO an. Das war seit dem 1. Oktober Marco Amato. Der Leonteq-Finanzchef wird nun ad interim CEO. Die Suche nach einem Nachfolger für Schoch ist laut Leoteq eingeleitet.

Aktie legt zu

Die Firma bietet Software-Anwendungen für die Strukturierung  und den Verkauf von Derivaten an und verkauft auch eigene Produkte. Die Aktie von Leonteq steigt im frühen Handel am Freitag um 4 Prozent. Seit Anfang März 2017, als der Einstieg des Investors Rainer-Marc Frey bekannt wurde, hat die Aktie 135 Prozent zulegen können. Frey, der eine Beteiligung von 6,4 Prozent an Leonteq aufgebaut hat, ist wohl auch treibende Feder hinter dem Abtritt von Schoch. 

Für die Vermutung, dass Frey den Rücktritt von Schoch forciert hat, spricht die Nomination von Christopher Chambers als neuem Präsidenten von Leonteq. Er ist ehemaliger CEO der Hedge-Fund-Firma Man Investments und ein alter Bekannter Freys. Zusammen sind sie auch im Verwaltungsrat der Beteiligungsgesellschaft Lonrho, die hauptsächlich in Afrika tätig ist. "Chris Chambers ist uns bekannt als jovialer, umgänglicher und dynamischer Investment Banker. Seine Erfahrungausweis dem Bereich der alternativen Anlagen wird für Leonteq Gold wert sein", schreibt die Neue Helvetische Bank (NHB) in einem Kommentar.

Leonteq hat für den 22. November eine ausserordentliche Generalversammlung angesetzt. Raiffeisen-Präsident Pierin Vincenz hatte seinen Rücktritt als Leonteq-Präsident bereits im letzten Jahr bekannt gegeben. Raiffeisen ist mit einer Beteiligung von  knapp 30 Prozent grösster Leonteq-Aktionär.

Leonteq bald mehr im Asset Management?

Für die NHB ist klar, wohin die Reise von Leonteq geht: "Die Entwicklung für Leonteq wird mittelfristig mit grosser Wahrscheinlichkeit in Richtung modernes Asset Management gehen." Dieser Bereich sei ein logisches Wachstumsfeld für Leonteq.

Schoch selber, der früher bei Goldman Sachs arbeitete, könnte sich nun nach einer Wartephase von seiner 7 Prozent-Beteiligung an Leonteq trennen und sich dann ganz seinem neuen Projekt widmen, das er 2016 aufgegleist hatte. Seine Firma Flynt hat in diesem Sommer als erstes Schweizer Fintech-Unternehmen von der Finma eine Banklizenz erhalten und heisst seither Flynt Bank AG. Sie hat nach eigenen Angaben 43 Mitarbeitende aus zehn Nationen und richtet sich mit einer digitalen Service-Plattform an reiche Kunden und Family Offices.