Bundesweit erhielten vollzeitbeschäftigte Frauen 2024 im Schnitt 17,2 Prozent weniger Lohn als Männer, was einem Rückgang um 3,2 Prozentpunkte seit 2019 entspricht, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. In 15 der 400 deutschen Kreise ist der sogenannte unbereinigte Gender-Pay-Gap im selben Zeitraum jedoch gestiegen.
Besonders gross bleiben die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Westen liegt die Lohnlücke mit 18,9 Prozent knapp viermal so hoch wie im Osten mit 5,1 Prozent. Dabei verringerte sich der Abstand im Westen mit 3,3 Prozentpunkten etwas stärker als im Osten mit 2,0 Prozentpunkten. Unter den Bundesländern weist Mecklenburg-Vorpommern mit 2,4 Prozent den geringsten Lohnunterschied auf, während er in Baden-Württemberg mit 25,7 Prozent am grössten ist.
Auf Kreisebene zeigt sich eine noch grössere Spannweite. Im baden-württembergischen Bodenseekreis verdienten Frauen 37,0 Prozent weniger als Männer. In drei ostdeutschen Kreisen war es hingegen umgekehrt: In Dessau-Rosslau lag das Gehalt von Frauen 1,6 Prozent über dem von Männern. Auch im Landkreis Stendal und in Frankfurt an der Oder verdienten Frauen im Schnitt etwas mehr. «Gegensätzliche Entwicklungen des Gender Pay Gap hängen unter anderem mit regional unterschiedlichen Veränderungen in der Betriebsgrössen- und Berufsstruktur zusammen», erklärte IAB-Forscherin Michaela Fuchs. So sei etwa in Cottbus, wo die Lohnlücke wuchs, der Anteil der Männer in besser zahlenden Grossbetrieben stärker gestiegen als jener der Frauen.
«Die Ausweitung der Kinderbetreuung, die Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder die Begleitung bei einem Wiedereinstieg nach der Kinderbetreuung sind bewährte Instrumente, um den Gender Pay Gap zu verringern», sagte IAB-Forscherin Anja Rossen. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass diese Massnahmen nicht für gleiche Löhne ausreichten. Der unbereinigte Gender Pay Gap misst den reinen Lohnunterschied, ohne Faktoren wie Beruf, Qualifikation oder Berufserfahrung zu berücksichtigen.
(Reuters)

