Lonza-CEO Albert Baehny - «Der Verkaufserlös der Spezialchemiesparte wird den Aktionären zugutekommen»

Lonza übertrifft mit seinem Halbjahresresultat die Erwartungen. CEO Albert Baehny im cash-Interview über den LSI-Verkauf, die Moderna-Partnerschaft und die Herausforderungen für den neuen CEO.
24.07.2020 13:19
Von Manuel Boeck
Lonza-CEO ad interim Albert Baehny im cash-Interview vom 24. Juli 2020.

Die Aktionäre dürfen sich freuen: Mit den beiden Unternehmenssegmenten, Pharma Biotech & Nutrition (LPBN) und Specialty Ingredients (LSI), steigerten die Basler ihren Umsatz von Januar bis Juni in Lokalwährungen um 7,7 Prozent auf 3,07 Milliarden Franken. Der starke Franken forderte aber seinen Tribut. Das in Franken ausgewiesene Umsatzplus beträgt nur 3,3 Prozent.

Doch davon bleiben 706 Millionen Franken als Betriebsgewinn "Kern-EBITDA". Das sind 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die entsprechende Marge erhöhte sich um 1,3 Prozentpunkte auf 29,1 Prozent. Unter dem Strich steht ein Reingewinn von 478 Millionen Franken zu Buche. Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Lonza die Schätzungen der Analysten übertroffen (cash berichtete).

Damit geht die Erfolgsstory von Lonza weiter. Diese lässt sich auch gut am Aktienkurs ablesen. Mit plus 62 Prozent seit Jahresbeginn führt Lonza die SMI-Hitparade an. Und mit dem Halbjahresresultat vom Freitag ist die weitere Richtung vorgegeben: Aufwärts.

Kaufsinteressen schon vor Verkaufs-Ankündigung

Und also doch: Lonza verkauft die Spezialchemiesparte LSI. Zuvor hatten sich Gerüchte gehalten, dass Lonza diese selbst an die Börse bringen möchte. Doch Lonza möchte einen schnellen und klaren Schnitt. Das Unternehmen kann sich damit auf seine Rolle als Produktionspartner der Pharma- und Biotechindustrie konzentrieren.

Im cash-Interview verrät Lonza-CEO ad interim Albert Baehny, dass es schon vor der Verkaufs-Ankündigung am Freitag Anfragen von Interessenten gab. Die Spekulation darüber, wer es sein könnte, darf beginnen. Der Entscheid über den Zuschlag soll irgendwann im zweiten Halbjahr 2020 gefällt werden. Klar ist einzig: Lonza will den Verkaufserlös den Aktionären zukommen lassen: "Wir wollen für die Aktionäre Wert kreieren". In welcher Form sei jedoch noch nicht entschieden.

Nach dem Verkauf der Spezialchemiesparte wird sich Lonza bewusst auf organisches und qualitatives Wachstum konzentrieren. Akquisitionen seien nur bei Technologien vorgesehen, wo das Knowhow ungenügend vorhanden sei, verrät Baehny gegenüber cash. Ein Zukauf sei zumindest für 2020 nicht geplant.

Moderna-Partnerschaft als humanitäres Engagement

Beim zweiten Hot-Topic bei Lonza, der Moderna-Partnerschaft, äussert sich Albert Boehny an der Pressekonferenz und im anschliessenden cash-Interview auch deutlich: Der Forecast für Verkäufe und Erlöse seien im Ausblick bewusst nicht enthalten. Dies wäre "billige Spekulation". Zudem sieht Lonza die Partnerschaft in erster Line als humanitäres Unterfangen: "Wir arbeiten an einer Lösung, so dass es der Welt besser geht".

Ein erster Batch des Moderna-Impfstoffs wird in der nächsten Woche in Portsmouth (USA) produziert, in Visp folgt dieser Schritt im Dezember. Mit dem ersten Batch kann Ende Juli die Phase-3-Studie für den Moderna-Impfstoff beginnen.

Doch der Moderna-Impfstoffkandidat ist nicht das einzige Projekt in diese Richtung: "Wir stehen im Kontakt mit anderen Firmen im Bereich Covid-19." Betreffend dieser Projekte kann oder darf Lonza aber nichts kommunizieren.

Ausblick für Lonza bleibt gut

Trotz der konjunkturellen Turbulenzen bleibt Albert Baehny für Lonza optimistisch. Denn Pharma und Biotech seien in der Corona-Krise essenziell und Lonza sehe einen hohen Bedarf. Dies sind gute Neuigkeiten für Anleger, die sich trotz der hohen Aktienbewertung ein Kauf überlegen. Und auch ein Teil des LSI-Geschäfts sei in diesem schwierigen Umfeld sehr solide. Nur zur Erinnerung: Noch im April hatte Lonza darauf verzichtet, die Guidance zu bekräftigen.

Demnach gilt wieder: Lonza will 2020 ein Umsatzwachstum über dem mittleren einstelligen Bereich erzielen sowie eine stabile Kern-EBITDA-Marge. 2019 lag die operative Gewinnmarge bei 27,4 Prozent. Trotzdem: Alle Prognosen seien vor dem Hintergrund der weltweit unsicheren Lage "mit besonderer Vorsicht" zu geniessen, so Baehny.

Sehen Sie im cash-Video-Interview, was Albert Baehny zu seinem Nachfolger Pierre-Alain Ruffieux sagt , wie schnell die Moderna-Impfstoffproduktion hochgefahren werden kann und mit welcher Philosophie die Gewinnmarge bei Lonza hochgehalten wird.