Der ungebrochene Outsourcing-Trend der Pharmagesellschaften an Auftragsfertiger dürfte dem Branchenprimus Lonza zu einem deutlichen Umsatz- und Gewinnsprung im zurückliegenden Geschäftsjahr verholfen haben. Dies, zumal sich die Basler mit dem Kauf eines früheren Roche-Werks in Kalifornien auf einen Schlag eine zusätzliche halbe Milliarde Franken an Umsatz gesichert hatten.
Zentral bleibt die Frage, wann und wie sich Lonza vom Kapselgeschäft trennen will. Informationen werden am Mittwoch fliessen, wenn der Pharmazulieferer über den Geschäftsgang im Jahr 2025 berichtet.
Analysten schätzen den Umsatz 2025 auf 7,538 Milliarden Franken. 2024 hatte er 6,574 Milliarden Franken betragen. Die operative Marge auf Stufe Ebidta dürfte sich auf 30,3 Prozent von 29,0 Prozent erweitert haben, so die von der Nachrichtenagentur AWP befragten Experten. Für den Reingewinn sagen sie einen Sprung auf 1,005 Milliarden von 637 Millionen Franken voraus. Zudem dürfte die Dividende um 94 Rappen auf 4,94 Franken erhöht werden.
Lonza publiziert erstmals ein volles Geschäftsjahr, nachdem das Management eine neue Segmentstruktur geschaffen hat. Statt der bisherigen Aufteilung in mehrere Divisionen mit neun darunterliegenden Geschäftseinheiten hat Lonza seine operative Gliederung auf drei CDMO-Business-Plattformen umgestellt («One Lonza»-Modell; «CDMO» = «Contract Development and Manufacturing Organization», kurz: Pharmazulieferer).
Die wichtigste Einheit ist «Integrated Biologics», welche die früheren Bereiche «Mammalian» und «Drug Product Services» umfasst. «Advanced Synthesis» vereint frühere «Small Molecules»-Aktivitäten und «Bioconjugates», und «Specialized Modalities» deckt zukunftsträchtige Technologien wie Cell & Gene, mRNA, Microbial und Bioscience ab.
Zukauf eines bisherigen Roche-Werks
Lonza stellt seinen Anlegern im Kerngeschäft, also in der Auftragsentwicklung und -fertigung (CDMO), ein Wachstum von 20 bis 21 Prozent in Lokalwährungen in Aussicht. Der grösste Teil des Wachstums stammt von einer grossen Produktionsanlage im kalifornischen Vacaville, die im Herbst 2024 Roche abgekauft wurde.
Entsprechend rechnen Analysten damit, dass Lonza im wichtigsten Segment «Integrated Biologics» Wachstumsraten von annähernd 35 Prozent ausweisen wird. Dieses steht für gut 6 von 10 Umsatzfranken bei der neu formierten Lonza.
Eine der wichtigsten Aufgabe des Lonza-Managements ist nun das «Befüllen» der neuen Anlage in Kalifornien. Entsprechend hoffen Investoren darauf, dass neue Lieferverträge gemeldet werden.
Die weitere Entwicklung des Vacaville-Standorts spielt auch eine zentrale Rolle für das Wachstum und die Profitabilität in 2026. Entsprechend wird der Prognose für das laufende Jahr am Mittwoch wohl viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Was wird aus dem Kapselgeschäft?
Die bisherige Geschäftseinheit «Capsules & Health Ingredients» (CHI) bleibt vorerst beim Konzern, soll aber zu einem späteren Zeitpunkt ausgegliedert oder verkauft werden. Den Entscheid zu diesem Schritt hatte Konzernchef Wolfgang Wienand Ende 2024 gefällt, nachdem er ein halbes Jahr zuvor das Zepter bei Lonza übernommen hatte.
Eine Wasserstandsmeldung zum Fortschritt bei CHI wäre den Anlegern daher ebenfalls willkommen. Das Management hatte allerdings mehrmals betont, dass keine Eile herrsche. Das Segment hatte sich zuletzt erholt, bleibt aber im Vergleich zum CDMO-Geschäft schwächer.
Und wie entwickelt sich die Aktie?
Die Lonza-Aktien sind im bisherigen Jahresverlauf um rund 2,6 Prozent gestiegen. Damit schneiden sie besser ab als der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI), der insgesamt im Minus steht. Im Jahr 2025 hatten die Titel allerdings keine grossen Stricke zerrissen und lagen damit deutlich hinter der Performance des SMI.
Laut AWP-Analyser stufen 19 Analysten die Valoren des Pharmazulieferers mit «Kaufen» ein. Zwei sind für «Halten». Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Der Konsens für das Kursziel liegt bei 673,35 Franken, wobei man derzeit rund 557 Franken für eine Lonza-Aktie bezahlt.
(cash/AWP)
