Die Deutsche Lufthansa läuft Gefahr, die nahezu gesamte Business-Class-Sektion in ihren neuen Boeing-787-Flugzeugen länger als geplant sperren zu müssen, da sich die Zertifizierung der Sitze weiter hinzieht — ein kostspieliger Rückschlag zu einer Zeit, in der mehr Passagiere in die vorderen Kabinenbereiche wechseln.

Die Fluggesellschaft hatte zuvor angestrebt, das Problem mit den US-Behörden bis Ende April zu lösen. Nun besteht die Möglichkeit, dass sich die Genehmigung weiter verzögert, sodass bis Ende Juni nur vier Business-Class-Sitze genutzt werden dürften, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen.

Die nächste Inspektion durch Beamte der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) sei für den kommenden Monat angesetzt, sagte eine der Personen. Das Ergebnis werde darüber entscheiden, wann Lufthansa mit dem Verkauf der Sitze beginnen könne, sagte die Person. Je nach Ausgang könnte dies schmerzhafte Einschnitte in die entscheidende Sommerreisesaison bedeuten.

Auf der Website von Lufthansa bleiben die unter der Marke Allegris angebotenen Business-Class-Sitze — abgesehen von den vier derzeit genehmigten — auf der Boeing 787 vor Juli nicht buchbar. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, Boeing und der Sitzhersteller Collins Aerospace arbeiteten «intensiv an einer zeitnahen Lösung». Lufthansa erwarte, dass die Zertifizierung in den kommenden Monaten abgeschlossen werde, ohne nähere Angaben zu machen.

Die Einführung der neuen Business Class der Lufthansa hat seit der vielbeachteten Vorstellung der Sitze vor rund drei Jahren einige Rückschläge erlitten. Durch die Sperrung von 24 Sitzen entgeht der Lufthansa eine lukrative Einnahmequelle, da Business-Class-Sitze in der Regel mehrere tausend Euro pro Flug kosten, während sie gleichzeitig das Gewicht des Flugzeugs erhöhen und damit die Treibstoffkosten in die Höhe treiben.

Die verzögerte Genehmigung betrifft die Art und Weise, wie die Sitze am Kabinenboden befestigt sind. Infolgedessen standen vollständig fertiggestellte Flugzeuge monatelang auf dem Boeing-Produktionsgelände in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina, was die Airline zwang, weiter ältere Jets wie den nicht mehr produzierten Airbus A340 einzusetzen.

Das Allegris-Produkt soll der Airline einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten wie Emirates, Qatar Airways und Singapore Airlines verschaffen, die seit Langem abgeschirmte Business-Class-Liegeplätze mit Schiebetüren und vollständig flachen Sitzen anbieten und damit mehr Luxus und Privatsphäre bieten als die offenen Modelle, die sich noch auf vielen Langstreckenflugzeugen von Lufthansa finden.

Das Zertifizierungsproblem gilt nicht für den neuen Airbus A350, auf dem Allegris bereits vollständig in allen Kabinenbereichen eingeführt worden ist.

Lufthansa hat die Boeing-787-Flugzeuge schliesslich im vergangenen Jahr übernommen, der erste Flug mit gesperrtem Kabinenabschnitt hat im Oktober stattgefunden. Lufthansa hat erklärt, sie setze die Maschinen trotz der Sitzbeschränkungen ein, um die Ausbildung der Piloten auf den Dreamlinern zu unterstützen, die neu in der Flotte der Airline sind.

Das Verhältnis zwischen Boeing und der FAA ist seit der Sicherheitskrise um die 737 Max belastet, was die Aufsichtsbehörden zu einem vorsichtigeren Vorgehen bei Zertifizierungen veranlasst hat. Verzögerungen haben sich auch auf andere Programme erstreckt, darunter die Boeing 777X, die das beliebte, aber alternde Modell 777 ersetzen soll. Lufthansa ist Erstkunde für dieses Flugzeug, dessen Auslieferung sich nun bis 2027 verzögert.

«Wenn Sitze weiterhin gesperrt bleiben, wird Lufthansa nicht in der Lage sein, eine der profitabelsten Kabinen in ihrem gesamten Netzwerk angemessen zu monetarisieren», sagte der Bernstein-Analyst Alex Irving. «Das Unternehmen könnte dann entscheiden müssen, die Ausmusterung älterer Typen zu verschieben, um über ausreichend Premiumkabinen zu verfügen — selbst wenn es sich dabei um Produkte der vorherigen Generation handelt.»

(Bloomberg)

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