Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder bei der Lufthansa und mehreren Tochtergesellschaften am Samstag zu einem Streik Anfang nächster Woche aufgerufen. Der Ausstand bei der Kernmarke, Lufthansa Cargo und CityLine soll am Montag, 13. April, um 00.01 Uhr beginnen und 48 Stunden dauern. Beim Ferienflieger Eurowings seien alle Abflüge von deutschen Flughäfen am 13. April betroffen. Wegen der aktuellen Lage im Nahen Osten nehme die VC Flüge in diese Region von den Arbeitskampfmassnahmen aus.
VC-Präsident Andreas Pinheiro begründete den Ausstand mit unzureichenden Angeboten der Arbeitgeberseite in den laufenden Tarifkonflikten um die betriebliche Altersversorgung und die Vergütung bei der Regionaltochter CityLine. «Die Arbeitgeberseite hat jederzeit die Möglichkeit, den Streik abzuwenden, indem sie verhandlungsfähige Angebote vorlegt», betonte Pinheiro. Die Lufthansa erklärte, die Streikankündigung stelle eine völlig neue Stufe der Eskalation dar. «Ihre Kernforderung nach Verdopplung einer ohnehin schon überdurchschnittlichen und exzellenten betrieblichen Altersvorsorge ist absurd und unerfüllbar», erklärte das Unternehmen auf Anfrage.
Die VC rief ihre Mitglieder zudem auf, sich an einer für Mittwoch geplanten Kundgebung der Flugbegleitergewerkschaft UFO am Frankfurter Flughafen zu beteiligen. Das Kabinenpersonal hatte erst am Freitag einen Tag lang gestreikt. Am Mittwoch will UFO den Druck auf die Lufthansa verstärken mit dem Protest Hunderter Beschäftigten vor der Konzernzentrale just vor einem Festakt des Unternehmens im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Veranstaltung ist der Höhepunkt der Feiern zum 100. Jubiläum der ersten Firmengründung.
Die Lufthansa versucht, ihre zuletzt schwächelnde Kernmarke profitabler aufzustellen, und will - auch vor dem Hintergrund der unsicheren Folgen des Iran-Kriegs - die Airline-Gruppe fit für die Zukunft machen. Dafür sollen Kosten sinken. Der Tarifstreit mit der VC um höhere Beiträge zur Altersvorsorge ist seit Monaten vor diesem Hintergrund festgefahren. Die Pilotinnen und Piloten legen für ihre Forderungen schon zum dritten Mal die Arbeit nieder - nach ein- und zweitägigen Streiks im Februar und März.
Ohne Arbeitskampf gelang unterdessen ein Tarifabschluss mit der Gewerkschaft Verdi für die Lufthansa-Beschäftigten am Boden. Sie bekommen im Schnitt gut 220 Euro mehr Gehalt. Verdi und die neue Tochtergesellschaft City Airlines vereinbarten zudem den ersten Tarifvertrag für die Airline, die vor allem Zubringerflüge zu Langstreckenverbindungen übernimmt. Die Fachgewerkschaften für das fliegende Personal UFO und VC kommen damit wie schon bei der Lufthansa-Tochter Discover nicht mehr als Tarifpartner zum Zug, was die Fronten zusätzlich verhärtet. Sie werfen dem Arbeitgeber vor, mit mehreren konkurrierenden Flugbetrieben einen Unterbietungswettbewerb zwischen Beschäftigtengruppen anzuheizen.
(Reuters)

