Der Kampf um die Vorherrschaft beim Stahlproduzenten Schmolz + Bickenbach (S + B) geht in die nächste Runde: Die grössten Aktionäre erweitern ihre Einflusssphäre. Gleichermassen daran beteiligt sind die beiden Kontrahenten Martin Haefner, Besitzer des Autoimporteurs Amag, sowie die Gesellschaft Liwet, bei welcher der russische Investor Viktor Vekselberg namhaft beteiligt ist. Beide Seiten haben zuletzt mit der Suche nach Verbündeten begonnen.

Besonders umgarnt wird dabei die S + B-Erbenfamilie aus Deutschland, welche noch immer über 10 Prozent der Anteile an S + B hält. Im Hintergrund finden Sondierungsgespräche zwischen den Parteien statt, berichten gut informierte Kreise.

10 Prozent könnten entscheidend sein

Historisch neigte die Erbenfamilie zu Liwet und die beiden Parteien bildeten börsenrechtlich phasenweise auch eine Gruppe. Doch seit kurzem bemüht sich auch die Haefner-Seite um die 10 Prozent Stimmenanteile. Weder die Erbenfamilie noch Haefner oder Liwet wollen sich zur Situation äussern. Dabei geht es um viel: Die 10 Prozent könnten entscheidend sein für das Vorhaben von Haefner, bei S + B via Übernahmeangebot und Kapitalerhöhung zur Mehrheit zu gelangen. Haefners Absichten sind seit den Recherchen der «Handelszeitung» von letzter Woche bekannt. Vorderhand hält er nur 17 Prozent.

Liwet, mit 27 Prozent grösste Aktionärin, lehnt die Pläne von Haefner ab und will den eigenen Anteil nicht verwässern lassen. «Alles ist zurzeit blockiert», sagt eine mit der Materie vertraute Person. Es herrsche quasi ein Patt. Wie lange das für die auf Spezialstahl spezialisierte Schmolz + Bickenbach unproblematisch ist, hängt auch von der Konjunkturentwicklung ab. Der Gesellschaft fehlen die Aufträge aus der Autoindustrie und deren Zulieferer. Gleichzeitig ist S + B mit über 700 Millionen Euro beträchtlich verschuldet. Die Ratingagentur Moody’s rechnet für nächstes Jahr mit einem alarmierenden Schulden-Gewinn-Verhältnis von über 10.

Banken werden immer wichtiger

In dieser Situation werden die Banken als direkte Kreditgeber mit jeder Woche wichtiger. Bereits sind erste Bedingun- gen der Kreditverträge nicht mehr eingehalten. Das gibt den Banken mehr Verhandlungsmacht. Ihr Gewicht wird aber auch durch die ausstehende 350-Millionen-Euro-Anleihe grösser. Eigentlich ist die Anleihe erst 2022 fällig. Aber S + B müsste sie innerhalb von neunzig Tagen zurückzahlen, wenn es zu einer sogenannten Change of Control kommt, also wenn ein Aktionär seinen Anteil auf über 33,3 Prozent erhöhen würde. Im Prospekt zur Anleihe steht, dass die Gesellschaft die Anleihe «zu einem Preis von 101 Prozent der Kapitalsumme» zurückkaufen müsse.

So viel Geld hat S + B natürlich nicht flüssig. Keine angeschlagene Firma, bei der ein Übernahmekampf tobt, hat das. In solchen Fällen schnürt meistens der Aktionär, der über 33 Prozent geht, ein Paket mit den Banken. Gerade in Kombination mit einer Kapitalerhöhung sind die Finanzinstitute dazu gerne bereit: Das frische Geld aus einer Kapitalerhöhung stärkt die Gesellschaft, was wiederum die Bankkredite stärker sichert. Moody’s hat erst kürzlich ihr Rating für S + B auf das Niveau Caa1 herabgestuft. Das ist Junk-Status.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt der Kurs dieser 350-Millionen-Euro-Anleihe, die in Luxemburg und an Sekundärmärkten börsenkotiert ist und gehandelt wird. Schon im August kostete die Anleihe nicht mehr 100 Prozent des Nominalwertes, sondern nur noch 80 Prozent. Im September sackte der Wert auf 54 Prozent ab, bevor er zuletzt wieder deutlich anstieg.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Handelszeitung unter dem Titel "Schmolz + Bickenbach: Warten auf das Getöse"