Bei der US-Notenbank endet am heutigen Freitag eine Ära. Es ist der letzte Tag in der Amtszeit von Jerome Powell als Chairman der Federal Reserve. Die Ära war geprägt von pandemiebedingten Lockdowns, Inflationsraten wie zuletzt in den siebziger Jahren — und von zunehmend aggressiven Übergriffen seitens Donald Trump.
«Es fällt schwer, sich einen anderen Fed-Vorsitzenden vorzustellen, der mit einer solchen Abfolge von Rückschlägen für die US-Wirtschaft konfrontiert war», sagte Patrick Harker, der von 2015 bis 2025 Präsident der Federal Reserve Bank of Philadelphia war und eng mit Powell zusammengearbeitet hatte, gegenüber CNN. Dafür müsse man bis zu Marriner Eccles zurückgehen, der die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg bewältigen musste.
Schon bald übernimmt mit Kevin Warsh ein Trump-Jünger das Zepter. Bereits 2017 war er für den Posten im Gespräch. Am Mittwoch stimmte nun der US-Senat mit einer knappen Mehrheit für seine Nominierung und leitete damit einen umstrittenen Führungswechsel ein. Umstritten ist dies, weil nicht sicher ist, ob Warsh Trumps wiederholten Forderungen nach niedrigeren Zinsen standhalten wird, um die Wirtschaft anzukurbeln und damit die politischen Aussichten der Republikaner bei den im November anstehenden Zwischenwahlen zu verbessern.
Zwar versprach Warsh während einer Anhörung, dass die Geldpolitik der Fed unter seiner Führung «strikt unabhängig» bleiben werde. Er leistete jedoch auch einen Trump-Treueschwur, indem er sich weigerte, die Präsidentschaftswahl von 2020 als verloren anzuerkennen — was ihm den Vorwurf einbrachte, er sei eine «Marionette» des US-Präsidenten.
Nach seiner Vereidigung in den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob Warsh sich dem Druck Trumps beugen wird, und wie er dann seine Mitstreiter im Offenmarktausschuss der Fed zu überzeugen gedenkt. Bei einem wird er es besonders schwer haben: Jerome Powell.
Warshs Vorgänger hat erklärt, er werde entgegen der Tradition, dass der scheidende Fed-Chef nach Amtsablauf die Notenbank verlässt, auf absehbare Zeit im Vorstand bleiben, wo sein Mandat noch knapp zwei Jahre läuft. Bis die Angriffe aus dem Weissen Haus enden, sagt er. Aber vielleicht auch, um Warsh auf die Finger zu schauen, ihm als wandelndes Gewissen zu dienen und ihn gelegentlich zu erinnern, dass die Geldpolitik dem Wohl der Nation und nicht Einzelnen dienen soll.
(cash/Bloomberg)

