Die dänische Grossreederei Maersk muss wegen des Iran-Kriegs monatlich fast eine halbe Milliarde Dollar mehr für Treibstoff ausgeben, holt sich das Geld aber bei Kunden zurück. Konzernchef Vincent Clerc sagte am Donnerstag, Maersk habe die Mehrkosten bislang durch Neuverhandlungen von Verträgen und höhere Frachtraten vollständig an die Kunden weitergeben können. Durch höhere Treibstoffpreise entstünden bei Maersk monatlich Extrakosten von rund drei Milliarden Dänische Kronen (402 Millionen Euro). Entlastung sei nicht in Sicht: «Die Energiekrise ist nicht an dem Tag vorbei, an dem der Frieden beginnt», sagte Clerc. Vielmehr gingen seine Kontakte in der Ölindustrie davon aus, dass die Krise noch mindestens einige Monate anhalte.
«Vielleicht viele weitere Monate», ergänzte Clerc und führte aus, dass die Weitergabe der Kosten an die Kunden schwierig sei. Letztlich verstünden sie aber, dass Maersk diese Summen nicht einfach selbst tragen könne. Auf die Geschäftszahlen im Auftaktquartal hatte der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg laut Maersk nur begrenzt Einfluss.
Eine anziehende Nachfrage bescherte dem Kooperationspartner der Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd vielmehr ein Quartalsergebnis über den Markterwartungen: Bei einem Umsatz von fast 13 Milliarden Dollar erwirtschaftete der Konzern einen operativen Gewinn von 1,75 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach damit allerdings um mehr als 35 Prozent ein. An der Börse in Kopenhagen notierten die Aktien mehr als sechs Prozent im Minus. Am Mittwoch legt Hapag-Lloyd Zahlen für Januar bis März vor.
Maersk ist nach dem verschwiegenen Branchenprimus MSC die zweitgrösste Containerreederei der Welt und gilt so als eine Art Barometer für den Welthandel. Der Konzern geht weiterhin davon aus, dass das Container-Volumen 2026 zwei bis vier Prozent wachsen wird. Allerdings sei die Lage sehr volatil, so Maersk.
«Gefährlicher Cocktail»
Clerc erklärte, die Blockade der Strasse von Hormus betreffe die Container-Schiffahrt direkt gar nicht so stark, weil nur zwei bis drei Prozent des globalen Schiffscontainer-Verkehrs normalerweise durch den Persischen Golf liefen. Eine grössere Gefahr sei aber, wenn die hohen Energiepreise die Inflation anheizten und so zu einer Rezession und schwindender Nachfrage führten. Ein Szenario aus hohen Kosten, schwacher Nachfrage und Überkapazitäten sei ein «gefährlicher Cocktail», so der Manager.
Die meisten Grossreedereien umfahren auf ihren Routen zwischen Europa und Asien die Golf-Region grossräumig und meiden schon länger Fahrten auch durch das Rote Meer und den Suezkanal. Dort gab es seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 immer wieder Angriffe von Huthis aus dem Jemen auf Handelsschiffe. Clerc erklärte am Donnerstag aber, dass dies seit Jahresbeginn nicht mehr passiert sei. Maersk prüfe derzeit aktiv, ob eine Rückkehr auf diese Route möglich sei. Es fehlten allerdings Eskorten durch die Marine der USA oder europäischer Staaten.
(Reuters)

