Der Spezialist für Verabreichungsgeräte im Gesundheits- und Industriebereich Medmix musste 2025 den zweiten Umsatzrückgang in Folge hinnehmen und hat lediglich einen kleinen Gewinn erzielt. CEO René Willi macht im Gespräch mit AWP verschiedene Faktoren für die bislang mässige Entwicklung aus, verspricht sich aber spätestens für 2027 einen Aufschwung.

«Wir müssen zwischen externen und internen Einflüssen unterscheiden», sagte CEO Willi auf die Frage, was angesichts des seit dem Börsengang massiv eingebrochenen Aktienkurses schief gelaufen sei.

«Die vergangenen Jahre waren von aussergewöhnlichen Ereignissen geprägt, die man zum Zeitpunkt des IPOs nicht vorausgesehen hat», so Willi. Die Krise durch den Krieg in der Ukraine etwa, habe das Unternehmen besonders getroffen, da als unmittelbare Folge die Fabrik in Polen geschlossen und eine neue Produktion in Spanien aufgebaut werden musste.

Willi betonte aber auch das schwierige makroökonomische Umfeld mit Inflation, Lieferkettenstörungen, massive Kostensteigerungen bei Rohmaterialien und Energie sowie die geopolitischen Unsicherheiten. Darüber hinaus räumte er auch eigene Fehler des Unternehmens ein.

Offener Rechtsfall in Polen

Ein anderes Thema ist die Geschäftsaufgabe in Polen. Dort musste Medmix auf Geheiss der Regierung die Produktion einstellen, da der russische Oligarch Viktor Vekselberg, bzw. sein Investmentvehikel Tiwel (mit gut 40 Prozent) an Medmix beteiligt ist. Dies führte 2022 zu einer hohen Sonderbelastung. Im Geschäftsbericht 2025 sind allerdings noch immer Rückstellungen über 4 Millionen Franken im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus Polen enthalten. Der Ausstieg aus Polen scheint noch nicht definitiv abgeschlossen.

Operativ sei der Ausstieg abgeschlossen, entgegnete Willi darauf. «Wir haben aber noch einen Rechtsfall hängig, der im Zusammenhang mit dem Verkauf der Vermögenwerte unserer polnischen Gesellschaft steht.»

«Der Käufer von Medmix Polen hat uns eingeklagt betreffend der Bezahlung unserer eigenen Maschinen, die wir ausgekauft haben, um sie in der neuen Fabrik in Valencia rasch einzusetzen», konkretisiert Willi die Ausgangslage.

Medmix sei mit Medmix Polen vertraglich übereingekommen, dass ein Teil des Preises über ein Darlehen, das die polnische Gesellschaft von Medmix erhalten habe, abgegolten werde. Der Käufer wolle nun aber das Darlehen nicht direkt mit der Bezahlung verrechnen. Dies hätte zur Folge, dass Medmix das Darlehen separat einfordern müsste.

Einen ersten Gerichtsentscheid gibt es dazu auch schon. Das erstinstanzliche Gericht in Polen hat laut Willi entschieden, dass das Darlehen nicht direkt angerechnet werden soll. «Laut dem Gerichtsentscheid müssten wir 13,1 Millionen Franken in bar bezahlen», fügte er an. Er zeigt sich indes überzeugt, dass der Entscheid nicht korrekt ist und will Einsprache erheben.

Werde das Darlehen im zweitinstanzlichen Prozess als Teil der Bezahlung akzeptiert - wie vertraglich abgemacht - gebe es keine finanzielle Belastung. Falls dies, entgegen der eigenen Einschätzung und der Bestätigung des Revisors, nicht der Fall sei, werde die maximale Belastung für Medmix nach Abzug der Rückstellung rund 9 Millionen Franken betragen.

(Das vollständige Interview ist auf unserem Premium-Dienst erschienen)

(AWP)