Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat im Jahr 2025 ihre Vormachtstellung im globalen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) zementiert. Angetrieben von einer Welle an milliardenschweren Transaktionen und einem günstigen regulatorischen Umfeld in den USA konnte das Institut sowohl beim Wert der beratenen Deals als auch bei den Gebühreneinnahmen den ersten Platz für sich beanspruchen. In einem Jahr, das von einer Rekordzahl an Mega-Deals geprägt war, baute Goldman Sachs LSEG-Daten zufolge seinen Marktanteil weiter aus.
Insgesamt gab es den Daten zufolge 2025 weltweit 68 Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als zehn Milliarden Dollar. Goldman Sachs war bei 38 dieser Deals beratend tätig, mit einem Gesamtvolumen von 1,48 Billionen Dollar bei den beratenen Deals. Es war die stärkste Periode für Mega-Deals seit Beginn der LSEG-Aufzeichnungen im Jahr 1980.
Stephan Feldgoise, globaler Leiter für M&A bei Goldman, sprach von einem «aussergewöhnlichen M&A-Jahr», angetrieben von einer «Allgegenwart von Kapital». Ein weiterer entscheidender Faktor war Branchenkennern zufolge die nachsichtigere Kartellaufsicht unter US-Präsident Donald Trump. Diese habe Branchenriesen zufolge das nötige Vertrauen für grosse Zusammenschlüsse in Sektoren wie Eisenbahn, Konsumgüter, Medien und Technologie gegeben.
Die Dominanz von Goldman Sachs spiegelt sich auch in den Gebühreneinnahmen wider. Mit 4,6 Milliarden Dollar an M&A-Gebühren lag die Bank deutlich vor JPMorgan mit 3,1 Milliarden Dollar und Morgan Stanley mit drei Milliarden Dollar. Beim gesamten Deal-Volumen belegten Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley die ersten drei Plätze. Besonders stark war Goldman Sachs in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, wo LSEG-Daten zufolge der Marktanteil bei angekündigten M&A-Deals 44,7 Prozent erreichte – ein Wert, der nur einmal zuvor im Jahr 1999 übertroffen wurde.
Goldman bei den beiden grössten Deals aussen vor
Trotz der Vormachtstellung war Goldman Sachs jedoch nicht an den beiden grössten Transaktionen des Jahres beteiligt: der 88,2 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Norfolk Southern durch den Eisenbahnkonzern Union Pacific und dem Bieterkampf um Warner Bros Discovery. Hier konnte Konkurrent JPMorgan punkten, der Warner Bros bei dessen Verkauf berät.
«Der strategische Wunsch zu wachsen und Grössenvorteile zu erzielen, ist gross, und das hat Vorstände und Führungsetagen dazu veranlasst, proaktiver zu werden», sagte Anu Ayiengar, globale Leiterin für Beratung und M&A bei JPMorgan, in einem Interview. «Die Leute warten also nicht darauf, dass ein Unternehmen zum Verkauf gestellt wird, um M&A-Aktivitäten einzuleiten.» Obwohl JPMorgan im reinen M&A-Geschäft hinter Goldman lag, konnte die Bank unter Einbeziehung der Gebühren aus dem Aktien- und Anleihegeschäft mit 10,1 Milliarden Dollar die höchsten Gesamtgebühren im Investmentbanking erzielen, verglichen mit 8,9 Milliarden Dollar für Goldman.
Der Bieterkampf um Warner Bros zwischen Paramount und Netflix mit Geboten von 108 Milliarden beziehungsweise 99 Milliarden Dollar hat in der Branche zu Verschiebungen geführt. Banken wie Wells Fargo, die Netflix beriet, sowie kleinere Banken wie Moelis und Allen & Co machten dadurch Sprünge nach oben. Wells Fargo kletterte um acht Plätze auf Rang neun. Die endgültige Platzierung könnte sich aber noch ändern, abhängig davon, wer den Zuschlag für das Angebot von Warner Bros erhält.
Für das laufende Jahr sehen Experten weiter rosige Aussichten für das M&A-Geschäft. «Die Pipeline ist voll», sagte Charles Ruck, Leiter der Unternehmensabteilung bei der Anwaltskanzlei Latham & Watkins, die in den M&A-Ranglisten für Rechtsberater auf Platz eins liegt. «Die Zinsen sinken, was es für unsere Private-Equity-Kunden einfacher macht, Geschäfte zu tätigen und ihre angestrebten Renditen zu erzielen.» Zudem verfügten US-Unternehmen über viel Bargeld und der Markt für Börsengänge sei immer noch nicht robust, wovon das M&A-Geschäft profitiere. «Und Sie haben ein grundsätzlich freundliches regulatorisches Umfeld, das die Gewinner und Verlierer steuert.»
(Reuters)

