«Wir lösen einen Kaufimpuls aus», sagte Mercedes-Chef Ola Källenius am Donnerstag bei der Präsentation der umfassend überarbeiteten S-Klasse. ‌Das Spitzensegment sei ‌mittlerweile aber breiter aufgestellt mit auf der S-Klasse aufbauenden Modellen wie dem Maybach, dem SUV GLS oder der Elektrolimousine EQS. Ein grosser Teil davon wird in diesem Jahr neu aufgelegt. Das oberste Segment fahre mit einen Absatzanteil von 15 Prozent mehr als 40 Prozent des Vertriebsergebnisses ein, erklärte ​Källenius.

Die neue S-Klasse basiert auf der Ende 2020 eingeführten siebten Generation des hochprofitablen Flaggschiffprodukts. Die achte ‌Generation ist nach den Worten von Technikchef Jörg Burzer schon ‌in der Entwicklung und ist für Ende des Jahrzehnts geplant. Mehr als die Hälfte der aktuellen S-Klasse wurde für die Modellpflege überarbeitet. Das Flaggschiff-Produkt mit Verbrennungsmotor läutet eine Produktoffensive mit rund einem Dutzend Neuheiten in diesem Jahr ein. Verfeinert hat Mercedes-Benz die Innenausstattung und das digitale Entertainment. Beim äusseren Erscheinungsbild fällt der grössere Kühlergrill mit dem aufrecht darauf prangenden Mercedes-Stern ins Auge.

Der zuletzt sinkende Absatz des ⁠Premiumherstellers kann einen Schub mit neuem Angebot dringend gebrauchen. Denn nach Einschätzung der von Visible Alpha befragten Analysten wird eine Halbierung des Betriebsgewinns 2025 auf rund 6,5 Milliarden Euro erwartet bei einem leicht auf 134 Milliarden Euro geschrumpften Umsatz.

Ab Freitag ist das Spitzenmodell von Mercedes-Benz zum Listenpreis ​ab 121.356 Euro zu bestellen. Die S-Klasse stehe mit Margen von 15 bis 20 Prozent für ‌rund zehn Prozent des Konzerngewinns, schätzte Frank Biller, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. ‍In Spitzenjahren verkaufe Mercedes-Benz mehr als 100.000 der in Sindelfingen bei Stuttgart gebauten Edelfahrzeuge. Zum Tiefpunkt des Produktzyklus, der im vergangenen Jahr erreicht wurde, seien es deutlich unter ​50.000 Exemplaren. «Das erneuerte Modell kann Mercedes-Benz in diesem Jahr zu deutlich besseren Zahlen verhelfen», sagt Biller. Es gebe erste Hinweise, dass sich der Auftragseingang bei den Schwaben verbessere. Ausserdem komme das für das untere Produktsegment Entry wichtige Elektroauto CLA im Handel gut an.

«Die neue S-Klasse ‌ist mehr als nur ein Flaggschiff, sie verkörpert die Essenz der Marke: Pioniergeist, ⁠technische Exzellenz und Handwerkskunst», erklärte das Unternehmen, das in diesem Jahr den 140. Jahrestag ‌der Erfindung des Autos durch den Gründervater Carl Benz feiert. Mercedes-Benz stelle damit seine Technologieführerschaft unter Beweis. Das sieht Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft an ‍der Hochschule Geislingen-Nürtingen, etwas anders. Er hält es für keine gute Entscheidung, dass Mercedes-Benz in seinem Parademodell nicht das automatisierte Fahren in der bisher höchsten erlaubten Stufe in Serie bringt. «Es wäre ein deutliches Signal gewesen im Hinblick auf die ​globalen Wettbewerber, die mittlerweile wesentlich schneller im Markt entwickeln», sagte Reindl der Nachrichtenagentur Reuters.

Mercedes baut Level ‍2++ ein - dabei steuert das Auto auf einer festgelegten Route in der Innenstadt eigenständig, der Fahrer muss aber jederzeit das Lenkrad übernehmen können. Das weiterentwickelte System (Level 3) komme später, sagte Technikvorstand Burzer. Das sei in der Entwicklung, ergänzte Källenius. Doch sei die S-Klasse mit dem Supercomputer «MB.OS» an Bord bereits in der Lage, aufgerüstet zu werden.

(Reuters)