China werde als grösster Automarkt weltweit eine Säule der Strategie des Premiumherstellers bleiben, erklärte Vorstandschef Ola Källenius am Mittwoch. Doch der Markt laufe viel schlechter als erwartet, auch im obersten Segment. «Das Verhalten des Marktes war schwer zu begreifen», sagte Källenius. Über seine Pläne zu China und zu technologischen neuen Weichenstellungen für die 2030er Jahre will der DAX-Konzern im kommenden Jahr informieren. Finanzchef Harald Wilhelm erklärte, das Unternehmen wolle unabhängiger von China als Gewinnpool werden.
Der Absatz der Marke mit dem Stern sinkt in China immer weiter - bis Ende September um 29 Prozent auf knapp 300.000 Pkw. Eine Wende ist nicht in Sicht. Der einst hochprofitable Markt, an dem die Schwaben früher jahrelang 1000 Luxuslimousinen der Edelmarke Maybach im Monat verkauften, wirft immer weniger ab. «Der Gewinn fällt schneller als erwartet», sagte Källenius. Lange Zeit ging der Manager davon aus, dass der Preiskampf, der vor allem bei kompakten Elektroautos unter den mehr als 100 Herstellern in China tobt, das Premiumsegment nicht so erfassen würde. Doch wegen der schleppenden Wirtschaft und der Immobilienkrise in China halte sich auch die betuchte Kundschaft zurück, während der Gesamtmarkt 2026 um 20 Prozent sinkt.
Es gelte, das Geschäft neu auszutarieren. «Wir müssen schauen, wo es bessere Profitpools gibt», sagte Källenius. Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz aus China auch in Europa. Dem will Mercedes-Benz mit starken Produkten begegnen und nicht tatenlos zusehen: «Wir werden den Stier bei den Hörnern packen und unser Spiel spielen.»
Gewinnwarnung
Der Autobauer verdiente im dritten Quartal auf bereinigter Basis vor allem wegen des schwachen China-Geschäftes deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum und senkte seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Das bereinigte Konzern-Ebit, bei dem etwa der Restrukturierungsaufwand nicht berücksichtigt wird, ging um 15 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro zurück. Das Betriebsergebnis wird im Gesamtjahr jetzt auf dem Vorjahresniveau von 5,8 Milliarden Euro statt deutlich darüber erwartet. Im vergangenen Jahr hatte sich der Gewinn mehr als halbiert - im Rekordjahr 2022 waren es 20,5 Milliarden Euro.
Einen Teil des China-Debakels kann der Autobauer mit Wachstum in den USA und Europa ausgleichen. Doch im Hauptgeschäftsfeld Mercedes-Benz Cars erwartet er jetzt noch weniger Rendite. Die Prognosespanne dafür sinkt auf zwei bis drei Prozent von drei bis fünf Prozent. Von Januar bis September brach der Pkw-Gewinn um 56 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein. Die kleinere Sparte Vans verdiente mit 1,3 Milliarden Euro kaum weniger - ihr Gewinnplus von 52 Prozent konnte die Schwäche des Kerngeschäfts teils auffangen.
Arbeitskosten sollen sinken
Konsequenzen aus der Krise sind auch weitere Kostensenkungen - vor allem in Deutschland, wie Källenius betonte. Dazu werde weiter Personal über das Abfindungsprogramm abgebaut, das im Dezember neu aufgelegt wird. «Es ist ein attraktives, sozial faires Programm», sagte Finanzchef Wilhelm. «Wir gehen von einer hohen Zuspruchsquote aus.» Im Juni hatte der Vorstand zudem angekündigt, die Produktivität der Belegschaft steigern zu wollen. «Deutschland muss einen grossen Sprung nach vorne machen, um seine industrielle Präsenz und seine Arbeitsplätze zu sichern», sagte Källenius. Das gelte für das gesamte Land wie für das Stuttgarter Unternehmen. Gespräche mit dem Betriebsrat liefen darüber weiter. Mercedes beschäftige zwei von drei Mitarbeitenden hierzulande und investiere viel, erziele aber nur 15 Prozent seines Absatzes am Heimatmarkt.
Die Arbeitskosten müssten nicht auf das Niveau von Ungarn sinken, wo Mercedes zu 20 Prozent der Kosten im Vergleich zu Deutschland produziere. Sie sollten aber ungefähr auf das Niveau der USA sinken: Die Beschäftigten kosteten nur rund 80 Prozent, verglichen mit ihren deutschen Kollegen. Eine längere Arbeitszeit für das gleiche Geld sei ein grosser Hebel, es gehe aber auch um viele andere Punkte. Auf Betriebsversammlungen hatte das Management gedroht, zwei Werke in Deutschland zu schliessen, sollten die Kosten nicht sinken. «Es ist unser Ziel, wenn man grossen Fortschritt macht, dann Standorte zu schützen», sagte Källenius. Doch er habe auch die Verantwortung, das Unternehmen wirtschaftlich für die Zukunft weiterzuentwickeln.
(Reuters)

