«Es ist unser klares Ziel, alle ‌deutschen ⁠Standorte zu erhalten», sagte Produktionschef Michael Schiebe auf einer Betriebsversammlung am Montag im Werk ⁠Sindelfingen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dafür müssten die Kosten aber gesenkt werden. «Gelingt uns dies nicht, ‌werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk ‌schliessen müssen.» Mercedes bestätigt damit erstmals offiziell die ​Warnungen des Vorstands, über die Medien berichtet hatten.

Die Unternehmensführung hatte im Juni angekündigt, die Produktivität müsse in Deutschland angesichts der Belastungen durch das schwache China-Geschäft und höhere US-Zölle steigen. Um Kosten zu senken, fordert das Management, länger zu arbeiten für das gleiche Geld. ‌Der Betriebsrat wies das zurück.

Auf Betriebsversammlungen an allen Standorten führen Vorstandsmitglieder den Beschäftigten in diesen Tagen den grossen Kostennachteil Deutschlands gegenüber Osteuropa aufgrund höherer Löhne, weniger Arbeitszeit und mehr ​Krankheitstagen vor Augen. Im ungarischen Werk Kecskemet, das zum grössten Produktionsstandort in ​Europa erweitert wird, sind die Kosten 70 Prozent ​niedriger als hierzulande. «Mercedes-Benz ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren – auch bei schwierigen Entscheidungen», ergänzte ‌der Autobauer.

Welche Werke infrage gestellt werden, ist offen. Montagewerke hat die Marke mit dem Stern in Sindelfingen bei Stuttgart, Rastatt und Bremen. Antriebe (Powertrain) und Komponenten werden unter anderem im ​Stammwerk ​Untertürkheim, Berlin und Hamburg gefertigt.

Nach einem Bericht ⁠des «Handelsblatt» verlangt das Unternehmen vom Betriebsrat, die 35-Stunden-Woche abzuschaffen und ​die Arbeitszeit auf 38 ⁠Wochenstunden zu erhöhen. Das ist allerdings im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie verankert. Die IG ‌Metall lehnt eine Abschaffung der 35-Stunden-Woche ab, wie zum Auftakt der bevorstehenden Tarifrunde betont wurde. Die vor drei Jahrzehnten mit Streiks und Zugeständnissen errungene ‌Arbeitszeitverkürzung hat grosse Symbolkraft für die Gewerkschaft. Die Krise der Autoindustrie müsse ​durch neue Produkte und politischen Schutz vor Billigkonkurrenz aus China bekämpft werden, hatte IG-Metall-Chefin Christiane Benner erst am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag gegen Jobabbau in der Autoindustrie erklärt.

(Reuters)