Eine anziehende Nachfrage nach Zubehör für die Arzneimittelherstellung und Halbleitermaterialien für Künstliche Intelligenz lässt Merck optimistischer auf dieses Jahr blicken. «Wir haben einen soliden Start ins Jahr 2026 mit einer soliden Leistung im ersten Quartal geliefert», sagte Finanzchefin Helene von Roeder am Mittwoch. Die Prognose für das Gesamtjahr hob sie an: Der Pharma- und Technologiekonzern erwartet nun einen Umsatz zwischen 20,4 und 21,4 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) zwischen 5,7 und 6,1 Milliarden Euro. Bislang hatte Merck Erlöse von 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro und ein Ergebnis von 5,5 bis 6,0 Milliarden in Aussicht gestellt. An der Börse kam das gut an: Die Merck-Aktie stieg um mehr als acht Prozent auf 122,45 Euro und war damit Dax-Spitzenreiter.
Im ersten Quartal wuchs Merck organisch um rund drei Prozent. Wegen negativer Wechselkurseffekte sanken die ausgewiesenen Erlöse jedoch um knapp drei Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis verharrte bei 1,5 Milliarden Euro, was organisch einem Plus von mehr als fünf Prozent entsprach und die Analystenerwartungen von 1,46 Milliarden Euro übertraf. Wachstumstreiber war vor allem die Sparte Process Solutions, die Produkte, Zubehör und Dienstleistungen für die Arzneimittelproduktion anbietet. Dort stiegen die Erlöse organisch um gut 16 Prozent.
Neben einer generell höheren Nachfrage trug dazu auch der Aufbau von Sicherheitsbeständen bei den Kunden bei. «Unsere Kunden sind etwas besorgt über eine mögliche Unterbrechung der Lieferketten», sagte von Roeder mit Blick auf die Lage im Iran. Sie gehe jedoch nicht davon aus, dass diese Bevorratung anhalte. «Wir hoffen alle, dass sich der Konflikt beruhigen wird.» Neben der Laborsparte profitierte Merck auch vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. In der Elektroniksparte trieb die starke Nachfrage nach Materialien für hochmoderne KI-Chips das Wachstum an. Der Umsatz mit Halbleitermaterialien legte organisch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zu.
Im Pharmageschäft schrumpfte der organische Umsatz dagegen um gut drei Prozent. Belastend wirkte zunehmende Konkurrenz für das Krebsmittel Bavencio sowie erste Einbussen beim Multiple-Sklerose-Medikament Mavenclad in den USA. Merck geht nun davon aus, dass die US-Umsätze mit Mavenclad erst ab Mai - zwei Monate später als erwartet – durch Generika-Konkurrenz komplett wegbrechen. Das Mittel war im vergangenen Jahr mit Erlösen von 1,2 Milliarden Euro das umsatzstärkste von Merck, gut die Hälfte davon entfiel auf die USA. Die weitere Entwicklung sei schwer vorherzusagen, sagte von Roeder, da gerade ein zweites Generikum auf den Markt komme.
Der neue Merck-Chef Kai Beckmann, der im Mai das Ruder von der zum französischen Pharmakonzern Sanofi gewechselten Belen Garijo übernommen hatte, kündigte eine Schärfung der strategischen Ausrichtung an. Der Fokus solle stärker auf integrierte Kundenlösungen gelegt werden. Strukturelle Veränderungen seien damit nicht verbunden, betonte er. Vielmehr solle das Unternehmen schneller und flexibler werden, indem Fachwissen – etwa bei KI oder bei der Integration von übernommenen Firmen - künftig konzernweit gebündelt statt isoliert in den Sparten genutzt werde. Übernahmen blieben zudem ein wichtiger Wachstumshebel. Im Pharmasektor liege der Fokus dabei auf Wirkstoffen in frühen Entwicklungsstadien, um die Pipeline zu stärken.
(Reuters)

