Ende 2025 stand es gar nicht gut um die Wiederwahl-Chancen von Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Nach einer historischen Niederlage bei den Kommunalwahlen kamen ihre Sozialdemokraten im Dezember nur noch auf 17 Prozent in den Umfragen. Doch dann nahm Donald Trump erneut Grönland ins Visier, diesmal mit Nachdruck. Der US-Präsident forderte Zugriff auf die autonome Rieseninsel in der Arktis, die zu Dänemark gehört.
Frederiksen machte dem Mann in Washington jedoch resolut klar: «Grönland steht nicht zum Verkauf.» Kurz darauf stieg die Popularität der Ministerpräsidentin wieder. Seit ein paar Wochen pendeln die Zuspruchswerte der Sozialdemokraten um die 22 Prozent. Frederiksen ergriff die Gunst der Stunde und zurrte für die in diesem Jahr fällige Parlamentswahl kurzfristig den 24. März als Termin fest.
Doch auch wenn sich ihre Aussicht auf eine dritte Amtszeit verbessert hat, ändert das nichts daran, dass viele Kritiker Frederiksen vorwerfen, innenpolitische Probleme zu vernachlässigen. Das gilt vor allem für die hohen Lebenshaltungskosten, die in Dänemark schon vor dem Iran-Krieg stark gestiegen waren. Mit der Eskalation im Nahen Osten dürfte dieser im Zuge des Grönland-Konflikts in den Hintergrund gerückte Aspekt wieder mehr in den Fokus geraten.
Hinzu kommt, dass die 48-Jährige alles andere als unumstritten ist. «Die Menschen sind ihrer wirklich überdrüssig», sagt der Politikexperte Noa Redington. «Sie dominiert die gesamte dänische Politik, hat jedoch in allen Fragen ihre Meinung geändert – von der europaskeptischsten Ministerpräsidentin, die Dänemark je hatte, zu einer der europafreundlichsten. Das zehrt enorm am Vertrauen der Wähler.»
Früher Aufstieg
Frederiksen zog im Alter von 24 Jahren ins Parlament ein. 2015 übernahm sie die Führung der Sozialdemokraten. Vier Jahre später wurde sie die jüngste Ministerpräsidentin Dänemarks und die zweite Frau an der Spitze der Regierung des nordeuropäischen Landes. Zu Beginn ihrer Karriere lehnte sie eine tiefere EU-Integration als Einschränkung der dänischen Souveränität ab. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die wachsende Unsicherheit über die US-Sicherheitsgarantien unter Trump liessen sie jedoch umdenken. Die europäische Einheit machte sie fortan als sicherheitspolitische Notwendigkeit aus.
Zu den schwersten Krisen ihrer Amtszeit zählt die Corona-Pandemie. Ihre Regierung traf damals eine besonders umstrittene Massnahme: Sie ordnete 2020 die Tötung des gesamten dänischen Nerzbestandes an. Es gab Befürchtungen, die Tiere könnten das Virus übertragen. Eine öffentliche Untersuchung ergab später, dass für diesen Schritt die rechtliche Grundlage fehlte. Frederiksen und ihre Regierung hätten die Öffentlichkeit «grob in die Irre geführt», auch wenn der Ministerpräsidentin die Überschreitung ihrer Befugnisse nicht persönlich bewusst gewesen sei.
Der Nerz-Skandal war nicht die einzige Episode, die bei der dänischen Bevölkerung nicht gut ankam. Die Entscheidung von Frederiksens Regierung, einen gesetzlichen Feiertag abzuschaffen, um höhere Verteidigungsausgaben zu finanzieren, verärgerte Belegschaften im ganzen Land. Kritiker werfen Frederiksen ausserdem einen von oben herab diktierten Führungsstil vor. Politische Partner fühlen sich dadurch vor den Kopf gestossen.
Auch die Bildung einer Koalition mit dem Mitte-Rechts-Lager sorgte für Unmut. Im Wahlkampf 2022 hatte Frederiksen noch eine linksgerichtete Mehrheitsregierung versprochen. Gleichzeitig hat sie die Einwanderung insbesondere aus nicht-westlichen Ländern stark eingeschränkt. Damit bremste sie Rivalen aus dem rechten Lager aus, verprellte jedoch traditionelle Verbündete im linken Spektrum.
International stark
Frederiksen hat in den vergangenen Jahren eine aussergewöhnliche Abfolge von Krisen bewältigt. Dazu zählen die globale Pandemie, der russische Krieg in der Ukraine, Drohnenvorfälle, die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines und nun die Konfrontation mit Washington über Grönland. Jede dieser Krisen stärkte Frederiksens internationales Profil.
In der europäischen Politik ist ihr Ansehen stetig gestiegen. Sie hat Verbündete zur Unterstützung Grönlands um sich geschart und gilt als eine der stärksten Unterstützerinnen der Ukraine. 2023 war Frederiksen als mögliche Kandidatin für das Amt der Nato-Generalsekretärin im Gespräch.
Gleichzeitig verfestigte sich bei einigen Wählern aber der Eindruck, ihr sei die internationale Bühne wichtiger. Viele Dänen fragen sich deshalb auch, ob Frederiksen letztlich ins Ausland wechseln wird. «Das alles hat etwas von einer Abschiedstournee», sagte Redington. Im Falle ihrer Wiederwahl werde ihre gesamte dritte Amtszeit von der Frage dominiert sein, wann sie abtrete.
«Niemand glaubt, dass sie noch einmal eine volle Amtszeit absolvieren wird.» Gewinnt Frederiksen die Wahl und bleibt die volle Zeit im Amt, wäre sie fast elf Jahre an der Macht - so lange wie kein anderer Ministerpräsident in Dänemark seit dem Sozialdemokraten Thorvald Stauning. Dessen 15-jährige Regierungszeit endete 1942.
(Reuters)

