Meyer Burger, AMS und Co. - Diesen Aktien setzt der Handelsstreit besonders zu

Im Handelsstreit zwischen den USA und China stehen die Vorzeichen auf Eskalation. Die Angst vor einem Handelskrieg zwischen den beiden Wirtschaftssupermächten setzt auch einigen Schweizer Aktien zu.
06.05.2019 13:35
Von Lorenz Burkhalter
AMS-Logo am Firmensitz im österreichischen Unterpremstätten.
AMS-Logo am Firmensitz im österreichischen Unterpremstätten.
Bild: ZVG

Noch vor wenigen Tagen war von einer Annäherung der USA und China im Handelsstreit zu hören. Im Hinblick auf ein Treffen ranghoher Regierungsvertreter vom kommenden Freitag rechneten einige Beobachter gar mit einem Durchbruch.

Doch es sollte anders kommen: Überraschend kündigt US-Präsident Donald Trump über seinen Twitter-Kanal eine drastische Erhöhung der Strafzölle auf Wareneinfuhren aus China an. Bereits am Freitag sollen die Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar von bisher 10 auf 25 Prozent erhöht werden (cash berichtete). China wiederum droht mit einem Rückzug aus den für diese Woche angesetzten Verhandlungen.

Der SMI unter starkem Verkaufsdruck

An den Aktienmärkten kommt diese plötzliche und für viele Beobachter überraschende Eskalation gar nicht gut an. Die Börse in Peking reagiert mit einem Minus von über 5 Prozent auf die jüngsten Entwicklungen. Nur eine ausserplanmässige Erleichterung der Kreditvergabe an kleinere und private Unternehmen durch die chinesische Zentralbank verhindert Schlimmeres (siehe auch Artikel hier).

Die Schockwelle erreicht am Montag auch den Schweizer Aktienmarkt. Der Swiss Market Index (SMI) verliert zur Stunde noch gut 140 Punkte. Das entspricht gegenüber dem Schlussstand vom Freitag einem Minus von 1,4 Prozent. Zeitweise gab das Börsenbarometer sogar um fast 200 Punkte nach.

Unter die Räder kommen vor allem Aktien von Unternehmen mit Produktionskapazitäten in China oder von Unternehmen, bei denen die Volksrepublik zu den wichtigsten Absatzmärkten gilt. Aus dem SMI sind das die zwischen 2 und 4 Prozent schwächeren Luxusgüterwerte von Swatch Group und Richemont.

Überdurchschnittliche Kursverluste weist auch die Aktie von Meyer Burger auf. Sie erleidet einen Rückschlag um 3,5 Prozent auf 0,706 Franken. Der Solarzulieferer erzielt einen Grossteil des Umsatzes mit chinesischen Abnehmern und wäre deshalb besonders stark von einem dauerhaften Handelsstreit betroffen.

Ähnliches lässt sich vom Sensorenhersteller AMS sagen. Das Unternehmen aus Unterpremstätten zählt den US-Elektronikkonzern Apple zu seinen grössten Kunden. AMS steuert unter anderem 3D-Sensoren für die Gesichtserkennungsfunktion bei den neueren iPhone-Modellen bei. Da Apple seine iPhones in China produzieren lässt und das Land ein wichtiger Absatzmarkt für die Amerikaner (18 Prozent der jüngsten Quartalsumsätze) ist, könnte auch AMS Ungemach drohen. Die Zürcher Kantonalbank sieht beim Grosskunden die Stabilisierung in China gefährdet und stuft die Apple-Aktie von "Marktgewichten" auf "Untergewichten" herunter. Das belastet nach dem zahlenbedingten Kursfeuerwerk von letzter Woche (cash berichtete) auch die AMS-Aktie. Zur Stunde büsst sie noch 6,4 Prozent auf 44,21 Franken ein. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 43,43 Franken.

Ebenfalls unter Verkaufsdruck stehen die Aktien von U-blox. Auch der Name des Herstellers von GPS-Chips gilt als ein Unternehmen mit einem hohen Umsatzbeitrag aus China. U-blox bekam den Handelsstreit zwischen den USA und China schon in der Vergangenheit zu spüren. Die Aktie des einzigen reinen Vertreters des Internets-der-Dinge aus der Schweiz taucht um 3,6 Prozent auf 82,95 Franken.

Goldman Sachs versucht die Gemüter zu beruhigen

Ansonsten sind es vorwiegend die Bankenvaloren, die von der Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Aktie der Credit Suisse wird um 2,6 Prozent tiefer bei 12,87 Franken gehandelt, jene der UBS nach Abgang der Dividende von 0,70 Franken je Aktie sogar um 6,4 Prozent auf 12,70 Franken.

Beobachter warnen davor, sich angesichts der jüngsten Schlagzeilen zu Kurzschlusshandlungen verleiten zu lassen. Die Ökonomen der US-Investmentbank Goldman Sachs beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass die USA die für Freitag angedrohte Erhöhung der Strafzölle auch wirklich umsetzen auf gerademal 40 Prozent.

Auch die Credit Suisse sieht hinter der Ankündigung Trumps bloss ein taktisches Manöver, um die Regierung in Peking zu einer raschen Einigung im Handelsstreit zu drängen. Ähnlich äussert sich die Commerzbank, wobei die deutsche Grossbank nicht ausschliesst, dass die von amerikanischer Seite ausgehende Drohung auch "nach hinten losgehen könnte".

Der Schweizer Aktienmarkt mit seinen defensiven Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis dürfte gegebenenfalls sogar von der Unsicherheit profitieren und Anlagegelder aus den umliegenden europäischen Börsen anziehen. Ganz ohne Kursverluste kommen zu Wochenbeginn aber auch die hiesigen Schwergewichte nicht davon. Sie verlieren bis zu 0,8 Prozent.