Meyer Burger, Evolva und Co. - Sind diese «Pennystocks» eine Wette wert?

Am Schweizer Aktienmarkt gibt es sieben sogenannte «Pennystocks», die für weniger als ein Franken erhältlich sind. Einige davon sind für (sehr) risikofreudige Anleger interessant - andere nicht investitionswürdig.
13.06.2019 22:30
Von Pascal Züger
Der Solarzulieferer Meyer Burger gehört zu "Pennystocks".
Der Solarzulieferer Meyer Burger gehört zu "Pennystocks".
Bild: ZVG

Nur wenige Dinge kosten weniger als ein Franken. Etwa eine Süssigkeit am Kiosk oder ein Weggli beim Discounter. Dass man zu diesem Preis aber auch eine Aktie erwerben kann, ist doch eher aussergewöhnlich.

Doch es gibt sie, die Pennystocks, die an der Börse zu solchen Tiefstpreisen erhältlich sind (siehe auch Tabelle am Artikelende). Im breiten Swiss Performance Index (SPI) tummeln sich aktuell sieben solche Titel. Dass Aktien überhaupt auf einen so tiefen Wert fallen, ist häufig auf ein schwieriges Branchenumfeld, auf eigene operative Fehlleistungen oder auf ein noch nicht erfolgter Marktdurchbruch des wichtigsten Produkts zurückzuführen.

Wer auf diese Aktien setzt, muss auch mit einem Totalausfall rechnen. So etwa beim Verpackungshersteller Airopack, der vor einer Woche die definitive Nachlassstundung vermeldet hat (cash berichtete), aber noch immer börsenkotiert ist. Hiervon sollten Anleger die Finger lassen. Doch hie und da kann sich das hohe Risiko auszahlen: Läuft es operativ plötzlich besser, ist das Aufwärtspotenzial bei diesen "Discount-Titeln" riesig. Es folgen vier Schweizer Pennystocks, bei denen es zumindest Hoffnung auf eine Wende zum Guten gibt:

Meyer Burger - Neue Technologie, neues Glück

Die Aktie des Solarzuliefers Meyer Burger erreichte im Jahr 2011 noch Werte von über 10 Franken, heute sind es 59 Rappen. Der ganze Hype um das Thema Sonnenenergie ist etwas verblasst, zudem ist der Preiskampf in der Branche hoch. Seit 2012 schreibt Meyer Burger nur noch Verluste. CEO Hans Brändle will künftig die grosse Abhängigkeit der Firma von China reduzieren, was sicher zu begrüssen ist. Zudem wird Meyer Burger einer Rosskur unterzogen, die mit einem grossen Stellenabbau und einer neuen Strategieausrichtung einhergeht.

Während die kurzfristigen Aussichten weiter sehr ungewiss sind, attestiert der Analyst der Bank Vontobel Meyer Burger attraktive langfristige Aussichten: Gelobt wird vor allem die Beteiligung an der britischen Oxford PV, ein Partner für die Entwicklung von Solarzellen der nächsten Generation. Diese Zusammenarbeit ermögliche eine "vielversprechende" Effizienzsteigerung bei den Zellen. Doch die neue Technologie ist nicht marktreif und muss sich in den nächsten Jahren erst noch beweisen. Für Anleger ist weiterhin viel Geduld gefragt.

Kursentwicklung der Meyer-Burger-Aktie in den letzten 10 Jahren, Quelle: cash.ch

Schmolz+Bickenbach – Talsohle durchschritten?

Der Spezialstahlhersteller Schmolz+Bickenbach erlitt im ersten Quartal 2019 einen Gewinneinbruch und sprach gleichzeitig von einer hohen Unsicherheit aufgrund politischer und makroökonomischer Risiken. Schwierig ist derzeit vor allem die Lage im Automobilsektor, der beliefert wird. Dennoch wird an den Zielen nicht gerüttelt: Für das Gesamtjahr strebt das Management weiterhin einen bereinigten Gewinn (Stufe Ebitda) zwischen 190 bis 230 Millionen Euro an.

Hoffnung macht nun Philipp Gamper, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), der den Tiefpunkt durchschritten sieht und von einem besseren zweiten Halbjahr ausgeht. Neben günstigeren Marktbedingungen würden dabei vor allem Effizienz- und Kostensenkungsmassnahmen sowie die fortschreitende Integration von Ascometal die Erfüllung der Firmenziele sicherstellen.  Er sieht den fairen Wert der Aktie bei 69 Rappen - das liegt ganze 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Nichtsdestotrotz kann sich Gamper nicht zu einer Kaufempfehlung durchringen: "Aufgrund des unvermindert hohen Risikogehalts des Investment-Case halten wir trotz des erheblichen Kurspotenzials an unserer Einstufung 'Marktgewichten' fest", steht in einem Bericht geschrieben.

Evolva - Die süsse Versuchung

Das von Evolva entwickelte Hauptprodukt Eversweet klingt sehr vielversprechend: Dieser kalorienfreie Zuckerersatz hat im Vergleich zu anderen künstlichen Süssstoffen keinen bitteren Nachgeschmack und passt perfekt zum allgemeinen Healthy-Food-Trend. Es existiert auch bereits eine Partnerschaft mit dem Coca-Cola-Zulieferer Cargill. Im Idealfall sollen künftig Süssgetränke und andere Produkte Eversweet enthalten. Das Marktpotenzial ist riesig. Nur hapert es mit der erfolgreichen Marktdurchdringung. Ende 2018 erhielt Evolva zwar erstmals Lizenzeinnahmen auf den Produktumsatz von Eversweet, doch sind diese nur niedrig ausgefallen.

Die Firma aus Reinach hat mit dem Nahrungsergänzungsmittel Resveratol und mit dem zur Schädlingsbekämpfung eingesetzten Nootkaton noch zwei weitere Wirkstoffe am Start. Doch braucht es für eine grosse Kursexplosion den Erfolg von Eversweet. Und das so schnell wie möglich: Ende 2018 hatte Evolva noch rund 60 Millionen Franken an Bargeldreserven, Ende 2019 dürften es nur noch 30 Millionen sein. Irgendwann wird den Investoren die Geduld ausgehen, sollten sich keine Erfolge einstellen. Die Aktie dümpelt derzeit bei 20 Rappen vor sich hin - nahe beim Allzeittief (19 Rappen). Evolva bleibt eine hochriskante Wette.

LumX - Ein Lebemann als Präsident

Für weniger als 7 Rappen gibt es die Aktie von LumX, die bis 2016 Gottex hiess. Der Spezialist für alternative Anlagen, der nur 48 Personen beschäftigt, hat den offiziellen Firmensitz in Guernsey - eine zum Vereinigten Königreich gehörende Insel vor der französischen Küste. Es existieren aber auch Zweigniederlassungen in Nyon, London, New York und Melbourne. 2018 wurde ein Jahresverlust von 8,7 Millionen Franken erzielt. Gemäss Firmenangaben habe sich seit Anfang 2019 das Ertragswachstum deutlich beschleunigt. Dank einer Restrukturierung erwartet LumX zudem im dritten Quartal die Rückkehr zur Profitabilität.

Mit der Tochterfirma LumRisk - die jüngst in einer Finanzierungsrunde 7,5 Millionen Franken aufgenommen hat - versucht man auch im Fintech-Bereich Fuss zu fassen. Doch die Firma kämpft weiter ums Überleben und die Wende zum Guten könnte Wunschdenken bleiben. Anleger sollten zum jetzigen Zeitpunkt von einem Investment absehen. Da hilft auch der Ruhm des VR-Präsidenten Arpad Busson nicht: Er gehörte einst zu den einflussreichsten Hedgefonds-Managern und zeigt als Philantrop seine soziale Ader - er sammelt etwa Geld für notleidende Kinder. Zudem war Busson, der als Lebemann mit Schwäche für schöne Frauen gilt, mit der Hollywood-Schauspielerin Uma Thurman verlobt.

Die Pennystocks am Schweizer Aktienmarkt

Titel Börsenwert (in Mio. CHF) Aktienpreis Kursentwicklung, 52 Wochen Branche
Airopack* 0,1 6,7 Rappen -99 Prozent Verpackungstechnologie
Evolva 154 20 Rappen -21 Prozent Biotech
LumX Group 7,3 6,7 Rappen -65 Prozent Alternative Investments
Meyer Burger 406 59 Rappen -39 Prozent Solarenergie
Perfect Holding 0,3 1,9 Rappen -14 Prozent Aviatik
Relief Therapeutics 0,6 0,3 Rappen -70 Prozent Biotech 
Schmolz+Bickenbach 437 46,2 Rappen -42 Prozent Stahl

*In Nachlassstundung / Quelle: cash.ch