Der Aktienkurs des kriselnden Nahrungsmittelherstellers Nestlé hat sich nach den Jahreszahlen und dem Strategieupdate vom 19. Februar ein wenig gefestigt. Bei rund 80 Franken handelt er auf dem höchsten Stand seit November letzten Jahres.

Am unerfreulichen Gesamtbild der letzten Jahre ändert dies aber wenig. Bis 40 Prozent hat der Kurs vom Rekordstand beim Jahreswechsel 2021/2022 zeitweise verloren. Noch schmerzvoller als der blosse Blick auf den Kurschart ist der Vergleich für die Nestlé-Aktionäre - darunter die grössten «Shareholder» UBS, Vanguard und Blackrock - mit der Kursentwicklung der Nestlé-Konkurrenten Unilever und Danone. Die Titel dieser Unternehmen legten im gleichen Zeitraum um je rund 30 Prozent zu.

Nestlé-CEO Philipp Navratil kennt diese unschönen Zahlen, spätestens seit seinem Amtsantritt im letzten September. Und er weiss, dass er zusammen mit Verwaltungsratspräsident Pablo Isla den Shareholder-Value verbessern muss. «Ich beobachte den Aktienkurs, Priorität hat aber das Wachstum», sagte der Nestlé-Chef in einem Gespräch mit Schweizer Journalisten am Montag in Zürich. «Wir müssen zeigen, dass wir mittelfristig ein organisches Wachstum von 4 Prozent plus und eine Ergebnismarge von 17 Prozent plus erreichen. Dann wird der Aktienkurs mitziehen», ist Navratil überzeugt. Ziel ist dabei vor allem mehr internes Realwachstum statt preisgetriebenes Wachstum.

Im vierten Quartal belief sich das organische Wachstum auf 4,0 Prozent nach 4,3 Prozent im dritten Quartal. Für Navratil ein Zwischenhalt: «Wir haben nun zwei gute Quartale gehabt, das ist aber noch nicht genug», so Navratil im Mediengespräch. Der Konzern stellt für 2026 ein organisches Wachstum von rund 3 bis 4 Prozent sowie eine Margenverbesserung in Aussicht.

Die Zahlen und der Ausblick wurden am Markt zwar mit Wohlwollen aufgenommen. Einen Hinweis, wie viel Geduld die Nestlé-Aktionäre aber haben müssen, liefert die St.Galler Kantonalbank. In einer Analyse der Zahlen schreiben die Analysten, dass mittelfristig eine Ergebnismarge von 17 Prozent bei Nestlé erst ab dem Jahr 2029 realistisch sei.

Analysten sehen bei der Nestlé-Aktie bescheidenes Aufwärtspotenzial

Die Anleger haben ihre Ansprüche an die Nestlé-Aktie in den letzten Jahren deutlich nach unten geschraubt. Ebenso die Analysten, welche die Entwicklung des Nahrungsmittelkonzerns mitverfolgen. Die bei Bloomberg erfassten 26 Experten, welche in den letzten Monaten eine Bewertung für die Nestlé-Aktien vornahmen, haben im Schnitt noch ein Kursziel von 85,42 Franken pro Aktie. Das ergibt ein Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 5 Prozent für die nächsten zwölf Monate.

Für das mit rund 5 Milliarden Franken bewertete Nestlé-Wassergeschäft mit Marken wie Perrier oder San Pellegrino sucht die Firma bekanntermassen einen Partner. «Es ist ein Geschäft, das Wert bringt. Wir sehen da Wachstum. Die Profitabilität genügt langfristig aber nicht», sagte Navratil auf die Frage, weshalb Nestlé keinen Verkauf für das Wassergeschäft anstrebe. In fortgeschrittenen Verhandlungen steht Nestlé dagegen beim Verkauf des verbleibenden Glacé-Geschäfts an das Joint Venture Froneri (mit Marken wie Häagen-Dazs und Mövenpick), das Nestlé zusammen mit PAI Partners betreibt.

Trotz des im September angekündigten Abbaus von 16’000 Stellen bezeichnet Navratil die Stimmung im Unternehmen als «gut». Der Stellenabbau soll helfen, bis Ende 2027 kumulierte Kosteneinsparungen von 3 Milliarden Franken zu realisieren. Bereits im letzten Jahr wurden 1,1 Milliarden Franken eingespart. Damit konnte das Jahresziel um mehr als 350 Millionen Franken übertroffen werden.

Anders als einige Schweizer Unternehmen spielt Nestlé nicht mit dem Gedanken, den Sitz oder Unternehmensteile ins Ausland zu verlagern. «Wir stehen zu 100 Prozent zur Schweiz. Und wir sind sehr stolz, in der Schweiz zu forschen und zu produzieren», sagte Navratil.

Daniel Hügli
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