«Wenn wir die richtige ‌Partnerschaft ⁠mit der deutschen Bundesregierung finden würden, wären diese Anlagen eine interessante ⁠Option - im Vergleich zu einem Neubau», sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel dem «Handelsblatt» in einem ‌am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Auch die Weiterbeschäftigung von ‌Biontech-Mitarbeitern, die von den Werkschliessungen betroffen ​sind, sei in diesem Fall eingeplant. Bancel betonte, er führe derzeit Gespräche mit der Regierung über eine langfristige Zusammenarbeit, ähnlich wie sie Moderna bereits in Grossbritannien und Kanada eingegangen sei. «Es ist kein ‌Zufall, dass ich aktuell in Berlin bin. Ich möchte wirklich investieren.»

Biontech hatte im Mai angekündigt, wegen der eingebrochenen Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen mehrere Standorte ​zu schliessen, darunter die Werke in Marburg und ​Idar-Oberstein sowie die Standorte des übernommenen ​Tübinger Rivalen CureVac. Bis zu 1860 Stellen könnten gestrichen werden. Während sich das Mainzer ‌Unternehmen künftig auf die Krebsforschung spezialisieren will, setzt Moderna weiterhin auch auf das Geschäft mit Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten. Vor einem Investitionsbeschluss drängte Bancel ​jedoch ​auf bessere Rahmenbedingungen und Planungssicherheit ⁠in Deutschland.

Der Moderna-Chef übte Kritik an ​den Plänen der Bundesregierung, die ⁠Defizite in der gesetzlichen Krankenversicherung durch strengere Preisregeln und höhere Herstellerrabatte ‌zu verringern. Diese Unsicherheit gefährde Investitionen. Sollte es zu keiner Einigung mit Berlin kommen, werde er sich nach ‌Alternativen in Europa umsehen. Es sei ein massives ​Souveränitätsproblem, wenn es bald keine Produktionskapazitäten für die mRNA-Technologie mehr in Deutschland und Europa gebe.

(Reuters)