MPS ⁠legte am Freitag gleich zwei parallele Übernahmeangebote für die norditalienische Banco BPM und den Vermögensverwalter Banca Generali vor. Mit 34 Milliarden Euro sind diese beiden zusammen fast so viel wert ⁠wie Monte dei Paschi selbst, für die Italiens grösste Bank Intesa 36 Milliarden Euro bietet. MPS würde damit zur Nummer drei in Italien aufsteigen. Damit spitzt sich das Gerangel um die Neuordnung des italienischen ‌Bankensektors zu. Nicht nur MPS-Chef Luigi Lovaglio wehrt sich gegen den Vorstoss von Intesa, auch die Regierung von Ministerpräsidentin ‌Giorgia Meloni sieht ihn skeptisch, weil er den Wettbewerb auf dem italienischen Bankenmarkt beeinträchtigen könnte.

Intesa ​ist schon jetzt die grösste Bank des Landes vor UniCredit. Sie will die als älteste Bank der Welt geltende Monte dei Paschi aufspalten. Rund die Hälfte der gut 1200 Filialen sowie die Zentrale in Siena sollen an die vom Versicherer Unipol beherrschte BPER Banca gehen, die dann unter dem Traditionsnamen Monte dei Paschi auftreten würde. Den Rest würde Intesa unter der Marke Mediobanca weiterführen. MPS-Chef Lovaglio hält davon nichts: Dieser Schritt würde Wert vernichten, argumentierte er. Meloni hatte kürzlich erklärt, sie hoffe, dass Monte dei Paschi nicht aufgespalten ‌würde. Der italienische Staat hatte MPS erst 2017 gerettet, 2023 und 2024 wurde die Bank in zwei Schritten wieder privatisiert.

Lovaglio warb am Freitag für seinen Alternativplan: MPS sei der «natürliche Partner für einen freundlichen Zusammenschluss». Die Bank hatte im vergangenen Jahr die Mediobanca geschluckt. Mit den beiden weiteren Übernahmen entstünde laut MPS Italiens drittgrösste Bank mit einer addierten Bilanzsumme von 466 ​Milliarden Euro - und eine der zehn grössten in Europa. MPS erhofft sich aus den Transaktionen Synergien von rund 2,6 Milliarden Euro. «Die ​Offerten sollen einen nationalen Champion schaffen, mit besonderen Fähigkeiten im Banking, in der Beratung und in der Vermögensverwaltung», ​erklärte MPS. Die in Mailand und Verona ansässige BPM ist die Nummer vier in Italien.

Allerdings stehen mehrere Fragezeichen hinter dem Plan. MPS und Banco BPM hatten erst im Juli Gespräche ‌über eine Fusion zu den Akten gelegt, nachdem sich der mit 29,3 Prozent grösste BPM-Aktionär Credit Agricole dagegen gesperrt hatte. Im Verwaltungsrat von MPS erhielt Lovaglio für seine Pläne zwar eine Mehrheit. Dass es dort aber Gegenstimmen gab, lässt die nötige Zustimmung auf einer Hauptversammlung am 29. Oktober aber fraglich erscheinen. Nach den italienischen Übernahmeregeln braucht MPS für alle Gegenmassnahmen gegen ​den Verkauf ​an Intesa die Zustimmung von mehr als 50 Prozent der eigenen Aktionäre. Die grössten MPS-Anteilseigner ⁠sind Delfin, die Holding der Brillendynastie Del Vecchio (EssilorLuxottica), mit 17,5 Prozent, der Geschäftsmann Francesco Gaetano Caltagirone mit 10,3 ​Prozent und der italienische Staat mit 4,9 ⁠Prozent.

Zudem sind die Tauschangebote von MPS für Banco BPM und Banca Generali für deren Aktionäre nicht gerade attraktiv. Den BPM-Aktionärenbietet MPS 1,567 neue Aktien, was das Institut mit 25,3 ‌Milliarden Euro bewerten würde - soviel ist es an der Börse bereits jetzt wert. Für die Banca-Generali-Aktien will sie je 6,958 eigene Papiere hinlegen. Das entspricht einem Wert von 8,7 Milliarden Euro, zehn Prozent mehr als der Börsenwert. Die Aktien aller drei Institute gaben am Freitag leicht nach.

Um den ‌MPS-Anteilseignern die Pläne zu versüssen, verspricht Lovaglio ihnen eine Sonderausschüttung über vier Milliarden Euro, teils in bar, teils in Aktien ​des Versicherers Generali. Bei diesem ist MPS seit der Übernahme von Mediobanca mit 13,3 Prozent der grösste Aktionär, Lovaglio hält die Beteiligung aber für verzichtbar. Intesa lockt die MPS-Aktionäre dagegen mit einer Ausschüttung von drei Milliarden Euro. An dem Versicherungsriesen Generali sind auch Del Vecchio und Caltagirone beteiligt. Er hält wiederum die Mehrheit an der Banca Generali, dem zweiten Übernahmeziel von MPS. (

Reuters)