Die Münchener Rück spricht in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Naturkatastrophen-Bilanz für das erste Halbjahr aber nur von ‌einer «Atempause». In ⁠den ersten sechs Monaten zerstörten Naturkatastrophen nach Daten des Rückversicherers weltweit Werte von 112 Milliarden Dollar. Nur 44 Milliarden davon waren versichert. Das ⁠lag auch daran, dass die schwerste Katastrophe ein Doppel-Erdbeben in Venezuela war, bei dem im Mai 5500 Menschen ums Leben kamen und 30 Milliarden Dollar Schaden angerichtet ‌wurden. Doch die Versicherer mussten weniger als eine halbe Milliarde Dollar dafür zahlen.

«Aber der Klimawandel ‌und der Wertezuwachs gehen weiter und erhöhen das Risiko höherer Verluste ​in der Zukunft», mahnte der zuständige Münchener-Rück-Vorstand Thomas Blunck. Die Schäden liessen sich nur minimieren, indem Menschen und Unternehmen sich nicht mehr in Hochrisiko-Gebieten ansiedelten und mehr in den Schutz vor Naturkatastrophen investiert werde. «Prävention lohnt sich: Jeder Euro Vorsorge erspart zehnmal mehr an künftigen Schäden», sagte der Chef-Klimaforscher der Münchener Rück, Tobias Grimm, der Nachrichtenagentur Reuters. Das reiche von der besseren Abdichtung des Kellers bis zur aufwendigen Hochwasser-Verbauung in ‌den Alpen.

Im ersten Halbjahr lagen die Naturkatastrophen-Schäden klar unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, in denen 136 Milliarden Dollar an Werten vernichtet wurden und Versicherer und Rückversicherer 66 Milliarden zahlen mussten. Das könne sich aber schon im zweiten Halbjahr umkehren, glaubt die Münchener Rück. Das liegt ​am Wetterphänomen «El Nino», das tendenziell die Durchschnittstemperaturen weltweit nach oben treibt - zusätzlich zum Klimawandel - und zum Jahresende ​seinen Höhepunkt erreichen dürfte. «Es ist eine gefährliche Mischung: Zur fortschreitenden Erderwärmung steuert die Welt ​auch noch auf einen Super-El Nino zu, der zusätzlich aufheizt», sagt Grimm. «Die Auswirkungen werden in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich deutlich zu spüren sein.»

El Nino führt allerdings auch ‌dazu, dass die Hurrikan-Saison im Nordatlantik tendenziell glimpflicher ausfällt - dafür gibt es mehr Taifune im Nordwest-Pazifik. In den USA ist aber die Versicherungsdichte am grössten. Die teuerste Naturkatastrophe des Jahres gab es denn auch Ende April in den USA, wo eine Serie von Tornados und schweren Stürmen ​die Versicherungsbranche ​4,1 Milliarden Dollar kostete.

Was kostet die Hitze?

Hitzewellen an sich machen sich ⁠direkt in den Büchern der Versicherer und Rückversicherer kaum bemerkbar. «Hitze ist eine unsichtbare Gefahr», ​sagt Grimm. In Deutschland gebe ⁠es heute im Schnitt 13 bis 14 Hitzetage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad - in den 1950er Jahren waren es drei. ‌Studien zufolge sinke die Produktivität jenseits der 30-Grad-Marke mit jedem weiteren Grad um drei Prozent.

Indirekt kann Hitze aber teure Folgen haben, in Form von Starkregen, aber auch von Dürren und Waldbränden und sinkenden Pegeln, die die Schifffahrt auf ‌Flüssen beeinträchtigen: «Die Welt ist wärmer geworden. Das führt einerseits zu heftigeren Niederschlägen, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit ​aufnimmt», erklärt der Klimaforscher den Mechanismus. «Andererseits trocknen durch die zunehmende Sonneneinstrahlung die Böden schneller aus, weil mehr Wasser verdunstet. Das westliche Mittelmeer ist zurzeit vier bis fünf Grad zu warm.» Mit Waldbränden aber künftig auch in Mitteleuropa verstärkt zu rechnen: «Es sind Menschen und Regionen betroffen, die bisher noch nicht daran denken.»

(Reuters)