Elon Musk hat seit fast zwei Jahrzehnten Science-Fiction Realität werden lassen, Anleger reich gemacht und sich damit bei vielen an der Wall Street einen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Abseits von Raketen und Elektroautos verschieben seine Unternehmen die Massstäbe auch bei Bewertungen.

Musks Hang zu futuristischen Projekten hat dazu geführt, dass Analysten Tesla eher als Robotikunternehmen denn als Automobilhersteller betrachten. Gleichzeitig schafft das die Grundlage dafür, dass SpaceX bei seinem Börsengang in den kommenden Wochen eine Bewertung von 2 Billionen Dollar anstrebt – was Skeptiker als extrem hoch einstufen. Doch nachdem der Markt Teslas Ambitionen finanziell unterstützt hat, sehen viele inzwischen das grössere Risiko darin, nicht in den SpaceX-Börsengang zu investieren.

Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der New York University und Autor mehrerer Bücher über Unternehmensfinanzierung und Bewertung, hält die angestrebte Bewertung zwar für zu hoch. Er würde nicht bei 2 Billionen Dollar kaufen und sieht eher eine Bewertung von 1 Billion Dollar. Dennoch schätzt er, dass es bei SpaceX erhebliches Aufwärtspotenzial gibt.

«Die Optionalität ist bei SpaceX derzeit grösser als bei Tesla», sagte er im Bloomberg-Interview. «SpaceX liegt der Konkurrenz momentan so weit voraus, dass das Unternehmen besser positioniert ist als Tesla, um diese Optionalität tatsächlich umzusetzen.»

Musk-Aufschlag und technologische Wunderwerke

Der Bewertungsaufschlag, den Analysten Teslas vergleichsweise spekulativeren Geschäftsbereichen zugestehen, basiert auf Musks Erfolgsbilanz bei technologischen Umbrüchen – kurz gesagt: Er hat viele Menschen reich gemacht. Damit SpaceX eine Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar rechtfertigen kann, die das Unternehmen laut Bloomberg News anstrebt, muss jedes Bewertungsmodell diesen Musk-Aufschlag berücksichtigen.

Damodaran verwies auf die bisherigen Erfolge von Tesla und SpaceX: «Man muss ihm Anerkennung zollen, denn er hat zwei Unternehmen geschaffen, die wirklich technologische Wunderwerke sind.» Tesla wird seit Jahren mit einer Bewertung gehandelt, die selbst den teuersten Konkurrenten aus den Magnificent Seven deutlich übertrifft. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei mehr als dem Fünffachen des Niveaus von Apple.

Kein Analyst an der Wall Street misst Teslas Autogeschäft langfristig grosse Bedeutung bei. Kaum jemand interessiert sich dafür, dass das Unternehmen in diesem Jahr mehr als 25 Milliarden Dollar ausgeben will. Um weiteres Potenzial über die aktuelle Marktkapitalisierung von 1,59 Billionen Dollar hinaus zu sehen, konzentrieren sich Analysten auf künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge und das Robotikprojekt Optimus, das seit mehr als vier Jahren entwickelt wird.

Mehr als zwei Dutzend Analysten mit Kaufempfehlung rechnen dem Unternehmen verspätete Projekte wie Cybercab und Optimus positiv an, obwohl die Autoverkäufe nur moderat gewachsen sind.

Dass die Tesla-Aktie in den vergangenen zehn Jahren um fast 3000 Prozent gestiegen ist und überzeugte Anleger deutlich reicher gemacht hat, verleiht auch der SpaceX-Story eine Grundlage: die Angst, etwas zu verpassen.

«Viele Analysten haben bereits entschieden, dass sie SpaceX kaufen werden, weil sie glauben, es sich nicht leisten zu können, aussen vor zu bleiben», sagte Damodaran von der New York University. «Die Angst, etwas zu verpassen, ist gross, weil sie gesehen haben, was passiert, wenn sie eine solche Gelegenheit verpassen.»

(Bloomberg/cash)

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