«Wenn wir es zulassen, dass eine gemeinnützige Organisation geplündert wird, zerstört dies das Fundament der Wohltätigkeit in Amerika», sagte Elon Musk am Dienstag im Zivilverfahren vor einem US-Bundesgericht im kalifornischen Oakland.
Musks Anwalt warf dem OpenAI-Chef Sam Altman und dem Verwaltungsratsvorsitzenden Greg Brockman in seinem Eröffnungsplädoyer Geldgier als Motiv für den Firmenumbau vor. Der Gegenseite zufolge war es jedoch Musk, der die Gewinnorientierung des Startups zunächst vorangetrieben habe. Der Milliardär habe erst geklagt, als er mit seinem Plan, an die Spitze des von ihm mitgegründeten Startups aufzurücken, gescheitert war. «Wir sind hier, weil Herr Musk seinen Willen nicht bekommen hat.»
Von der Gemeinnützigkeit zur Gewinnorientierung
OpenAI wurde 2015 als gemeinnützige Einrichtung zur KI-Forschung gegründet. Vier Jahre später kam OpenAI LP als gewinnorientierte Tochter hinzu. Sie sammelte bei Microsoft und anderen Investoren Milliarden ein, um die KI-Entwicklung zu finanzieren. Inzwischen wurde OpenAI LP in eine sogenannte Public Benefit Corporation (PBC) umgewandelt. In dieser Gesellschaftsform sollen Gewinnorientierung und die Einhaltung sozialer Ziele austariert werden, während gemeinnützige Organisationen ausschliesslich dem Allgemeinwohl verpflichtet sind. Den ursprünglichen Plan, dass der gemeinnützige Teil von OpenAI die Kontrolle über OpenAI LP abgibt, hat das Startup wegen des Drucks von Musk aufgegeben.
Der Multimilliardär Musk wirft Altman und dem OpenAI-Investor Microsoft in seiner Klage vor, den ursprünglichen Zweck, Künstliche Intelligenz (KI) zum Wohl der Menschheit zu entwickeln, aufgegeben zu haben. Die Beklagten hätten ihn über ihre Pläne im Dunkeln gelassen und unter Ausnutzung seines Namens und seiner finanziellen Unterstützung OpenAI zu einer persönlichen «Gelddruckmaschine» umgebaut. Das Startup solle daher zur Gemeinnützigkeit zurückkehren und sowohl Altman als auch den OpenAI-Mitgründer Greg Brockman entlassen. Insidern zufolge fordert Musk zudem 150 Milliarden Dollar Schadenersatz.
Microsoft weist den Vorwurf der Absprache mit OpenAI zurück. Der Softwarekonzern sei seine Partnerschaft mit dem Startup erst nach Musks Ausscheiden 2017 eingegangen. Microsoft-Chef Satya Nadella wird voraussichtlich ebenfalls als Zeuge vor Gericht erscheinen.
Aufruf zur Mässigung an Musk und Altman
Zum Auftakt des Verfahrens ermahnte Richterin Yvonne Gonzalez Rogers den Kläger Musk, sich mit öffentlichen Äusserungen zu dem Fall zurückzuhalten. «Versuchen Sie, Ihren Hang zu zügeln, soziale Medien zu nutzen, um Dinge ausserhalb des Gerichtssaals zu regeln», sagte sie. Musk hatte Sam Altman zuvor auf seinem Kurznachrichtendienst als «Scam Altman» (Betrüger Altman) bezeichnet. Sowohl Musk als auch Altman erklärten sich bereit, ihre Online-Äusserungen zu dem Verfahren zu reduzieren.
Der Prozess kommt für alle Beteiligten zu einem kritischen Zeitpunkt: OpenAI strebt an die Börse. Musks KI-Firma xAI hinkt trotz milliardenschwerer Investitionen der Konkurrenz hinterher und gilt als Belastung für den Mutterkonzern SpaceX, der voraussichtlich im Juni an der Wall Street debütieren wird.
(Reuters)

