Der Goldpreis ist nach dem Abverkauf zu Beginn der Börsenwoche auf der Suche nach einem Tiefpunkt, der die Basis für eine nachhaltige Kursrallye bilden kann. Zu Wochenbeginn kam es zu einer Bereinigung der Positionierungen. Anlagefonds, die systematisch Long- oder Shortpositionen eingehen, haben die Longpositionen deutlich zurückgefahren. Der Goldpreis sank am Dienstag auf den tiefsten Stand seit acht Wochen.

Die Publikation des Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) in den USA vom Mittwoch hatte die zuvor auf eine straffere Geldpolitik ausgerichtete Stimmung an den kurzfristigen US-Geldmärkten vollständig gedreht, da die Märkte ihre Erwartungen zur Geldpolitik rasch anpassten. Die von Händlern eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Oktober sank von einem jüngsten Höchststand von rund 73 Prozent auf aktuell etwa 35 Prozent, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag.

So richtig Schub vermochte die Nachricht am Goldmarkt nicht auszulösen, obwohl eine Kurserholung angesichts des Ausmasses und der Geschwindigkeit des jüngsten Kursrückgangs überfällig war. Ferner ist kaum damit zu rechnen, dass die Volatilität im Kontext der geldpolitischen Neubewertung bereits nachlässt, meinen Marktstrategen an der Wall Street.

Die am Ende der Woche anstehenden US-Arbeitsmarktdaten werden einen weiteren wichtigen Prüfstein darstellen, ob sich der Goldpreis erholen kann. Seit Anfang Juli bewegt sich der Goldpreis in einer Bandbreite von 3952 bis 4651 Dollar. Am Donnerstagmorgen notiert das gelbe Edelmetall im europäischen Handel bei 4151 Dollar. 

ETF-Käufer auf dem falschen Fuss erwischt

Im August verzeichneten Gold-ETFs den drittgrössten monatlichen Zufluss seit Beginn der Datenerfassung, wie die Experten von Société Générale errechneten. Zudem trieben Vermögensverwalter ihr Netto-Futures-Engagement auf den zweithöchsten Stand aller Zeiten.

Die Optionsmärkte offenbarten eine auffallend asymmetrische Struktur, in der die Absicherung gegen Kursverluste nahe am Spotpreis eingepreist ist, während die Überzeugung von Kursgewinnen Tausende von Dollar darüber hinausreicht, erläutert Société Générale. Mit diesen Positionen setzen Händler, Spekulanten und Investoren auf stark steigende Preise. 

Mit dem Preisrückgang im September dürfte gerade bei den Optionshändlern die Rechnung nicht überall aufgegangen sein. Es ist zu erwarten, dass der kurze Laufzeitbereich der Zinskurve die kurzfristige Kursrichtung von Gold weiterhin massgeblich bestimmen wird. 

Im Falle einer Entspannung an den Zinsmärkten bei gleichbleibend höheren Inflationserwartungen könnte der Goldpreis dann tatsächlich wie erhofft nach oben ausbrechen und das Zwischenhoch von 4651 Dollar hinter sich lassen. 

(cash)