Moonshot stellte am Freitag sein Modell «Kimi K3» vor, das ‌dem ⁠Unternehmen zufolge den modernsten westlichen Konkurrenzprodukten zumindest ebenbürtig ist. Dies löste bei einigen börsennotierten chinesischen KI-Entwicklern einen Ausverkauf ⁠aus. Die in Hongkong notierten Aktien von Z.ai und Minimax brachen um bis zu 28 Prozent ein.

Die Leistungsfähigkeit von «Kimi K3» entspreche ‌der von Anthropics «Fable 5», teilte das chinesische Startup mit. Die neuesten OpenAI-Modelle «GPT-5.5» ‌und «GPT-5.6 Sol» habe «Kimi» sogar deutlich übertroffen. In Tests von ​Drittfirmen schnitt die KI ebenfalls stark ab. Für die US-Testfirma Vals AI rangiert sie zwischen «Fable 5» und «GPT-5.6 Sol». Nach Einschätzung von Artificial Analysis kann «Kimi» vor allem bei komplexen Aufgaben mit modernen westlichen Produkten mithalten. Arena AI zufolge ist «Kimi K3» bei der Programmierung von Webseiten die weltweite Nummer eins.

«Kimi K3» wurde den Angaben ‌zufolge mit 2,8 Billionen Parametern trainiert. Damit sei es das bislang grösste sogenannte «Open Weight»-Modell. Bei dieser KI-Variante sind die Trainingsparameter frei einsehbar. Im Gegensatz zu «Open Source» bleiben Programmcode und andere Informationen jedoch meist vertraulich.

Anfang 2025 hatte DeepSeek mit der Vorstellung eines KI-Modells Technologiewerte ​weltweit in Kursturbulenzen gestürzt. «R1» verschlingt bei vergleichbarer Leistung nur einen Bruchteil ​der Entwicklungskosten und benötigt weniger Rechenpower als westliche Modelle. Vor einigen Wochen erschütterte Z.ai mit einer neuen KI die zuvor ‌gehegte Branchenmeinung, dass chinesische Unternehmen der US-Konkurrenz technologisch etwa ein halbes Jahr hinterherhinkten. Der Entwickler Minimax arbeitet an einem Modell, das mit 2,7 Billionen Parametern trainiert wird und demnächst veröffentlicht werden soll.

Dies passt zum Anspruch der Regierung ​in Peking, ​bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) eine Vorreiterrolle zu übernehmen. ⁠Staatspräsident Xi Jinping hat dazu die World AI Cooperation Organisation (WAICO) ins ​Leben gerufen. China will die ⁠anderen Mitglieder dieser Koalition bei der Entwicklung von KI-Anwendungen unterstützen.

Für OpenAI und Anthropic kommt die neue ‌chinesische Konkurrenz zu einem kritischen Zeitpunkt. Die beiden steuern auf ihr Debüt an der Wall Street zu. OpenAI hat bereits einen entsprechenden vertraulichen Antrag gestellt. Zudem mussten die Startups ihre ‌modernsten KI-Modelle auf Anordnung der US-Regierung zeitweise abschalten oder die Veröffentlichung verschieben. Die Behörden ​befürchten Gefahren für die Cybersicherheit, weil die Programme nicht nur Schwachstellen in IT-Systemen aufdecken, sondern auch Schadcode schreiben, um diese Sicherheitslücken auszunutzen.

(Reuters)