Egal ob mit Eis oder ohne, ob mit Mango- oder Erdbeergeschmack und ob als Cookie oder Proteinriegel: Matcha ist längst mehr als ein Nischenprodukt aus Japan. Angefangen als «normaler» grüner Tee hat sich die Verwendung des Pulvers zu einem globalen Konsumtrend entwickelt. Rund drei von zehn Schweizern greifen laut marketagent mehrmals jährlich zum Trend-Getränk.
Der Hype bringt sogar die Produzenten in Japan unter Druck, da die Nachfrage schneller gewachsen ist als die Anbaufläche. 2024 erreichte Japans Exportwert für Grüntee laut dem japanischen Ministerium mit 244 Millionen Dollar ein Rekordhoch. Die Teeblätter, die als Tencha bekannt sind, werden aber normalerweise nur einmal im Jahr geerntet.
Der weltweite Markt dürfte laut dem Matcha Market Report 2026 seinen Wert bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 9,81 Prozent auf bis zu 7,59 Milliarden Dollar im Jahr 2030 steigern. Getrieben werde der Trend vom wachsenden Gesundheitsbewusstsein, den antioxidativen Eigenschaften und den Vorteilen der natürlichen Energiequelle. Auch die zunehmende Vielseitigkeit in verschiedenen Anwendungsbereichen trägt erheblich zur Nachfrage bei.
Asiatische Anbieter
Ein direkter Profiteur ist der thailändische Getränkezulieferer T.A.C. Consumer. Das Unternehmen beliefert unter anderem 7-Eleven-Filialen mit Getränkekonzepten und profitiert laut einer aktuellen Studie des Analysehauses Krungsri Securities stark vom Matcha- und Thai-Tea-Boom sowie der Expansion neuer Filialen. So stieg der Umsatz im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent, der Gewinn sogar um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie hat ebenfalls 22 Prozent in einem Jahr zugelegt und überzeugt zudem mit einer hohen Dividendenrendite von über neun Prozent und einer starken Eigenkapitalrendite von mehr als 40 Prozent.
Ein anderer Gewinner ist Luckin Coffee, die grösste und am schnellsten wachsende Kaffeemarke in China mit über 16'248 Filialen. Die Produktinnovation und Ausweitung des Sortiments ausserhalb klassischer Kaffeeprodukte wird als wichtiger Treiber gesehen. Das Unternehmen hat im ersten Quartal überzeugt und dürfte laut einer Analyse von JP Morgan den Umsatz in den nächsten drei Jahren jeweils um durchschnittlich 13 Prozent steigern.
Die Aktie kann mit den Geschäftszahlen allerdings nicht ganz mithalten. Der Jahresverlust beträgt bereits 5 Prozent, und der Kurs schwankt zwischen 30 und 38 Dollar. Dennoch liegen 15 Kaufempfehlungen und nur ein Halten-Rating vor. Grösster Optimist ist CMB International, die ein Kurs von 54,68 Dollar als realistisch erachten. Durchschnittlich liegt das Kursziel bei 45 Dollar, was immer noch 25 Prozent Aufwärtspotenzial entspricht.
Westliche Anbieter
Die Nachfrage nach proteinreichen und funktionalen Getränken steigt weltweit, wovon auch Emmi profitiert. In einer UBS-Studie vom April wird darauf hingewiesen, dass trendige Lifestyle-Produkte wie Matcha in der Schweiz und den USA das Umsatzwachstum des Unternehmens zusätzlich unterstützen könnten. Gleichzeitig verbessere das Unternehmen kontinuierlich seine Margen und setze verstärkt auf Premiumprodukte mit höherer Profitabilität, betonen die Analysten.
Die Valoren haben seit Januar rund 11 Prozent zugelegt. Im volatilen Umfeld überzeugt die Milchverarbeiterin als defensives Unternehmen mit stabiler Cash-Generierung und attraktiven Dividenden. Seit März 2026 ist das Sortiment des Schweizer Traditionsunternehmens zudem um einen «Emmi Matcha Latte» erweitert worden.
Ebenso hat Starbucks in den vergangenen Monaten mehrere neue Matcha-Getränke eingeführt. Die UBS erwartet für Starbucks eine Beschleunigung der Umsatzdynamik in Nordamerika. Besonders neue Matcha-Getränke und saisonale Innovationen sollen zusätzliche Kunden in die Filialen locken. Analysten rechnen deshalb mittelfristig wieder mit steigenden Margen und Gewinnen.
Die Aktie des Kaffeehauses hat seit Januar gar 25 Prozent dazugewonnen. Ein Grossteil davon geht auf den Tag der Zahlenpublikation zurück, die auf allen Ebenen zu überzeugen wusste. In Zuge dessen wurde der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Besonders im Heimatmarkt scheint der «Back to Starbucks»-Plan von CEO Brian Niccol aufzugehen.
Was Dubai und Japan verbindet
Der weltweite Boom eröffnet zwar attraktive Wachstumschancen, allerdings birgt das Investieren in Trends eine gewisse Gefahr, sollte der Hype an Dynamik verlieren oder die Bewertungen vermessen werden. Immerhin spricht mittlerweile auch fast keiner mehr von der einst heissgeliebten Dubai-Schokolade.
Zudem ist das Angebot an hochwertigem Matcha begrenzt: Traditionelle Anbaumethoden, eine alternde Landwirtschaft in Japan und klimatische Risiken erschweren eine schnelle Ausweitung der Produktion. Da die globale Nachfrage deutlich schneller wächst als das Angebot, profitieren Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette potenziell von steigenden Preisen und wachsendem Konsum.

