Die US-Zwischenwahlen bringen einen Erdrutschsieg der Demokraten mit sich. Donald Trump ist der grosse Verlierer. An den Aktienmärkten sind die Kursbewegungen überschaubar, weil das Wahlergebnis bereits an den Märkten eingepreist war.

Einer der Profiteure des Wahlausgangs ist die Schweizer Valuta, welche zum Dollar auf den höchsten Stand seit sechs Wochen avancierte und bei 0,8156 Franken notiert. Zum Euro rückt die Schweizer Währung leicht auf 0,9177 Franken vor. Der Goldpreis profitiert deutlicher und notiert 2,6 Prozent höher bei 4034 Dollar, während - eher überraschend - der Bitcoin um 1,1 Prozent auf 78'400 Dollar anzieht.

Ferner preisen die Finanzmärkte mit einer noch höheren Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember ein. An den Obligationenmärkten steigen die Kurse der wichtigsten Staatsanleihen aus Deutschland, Frankreich und den USA um 0,5 Prozent bis 0,7 Prozent.

KI-nahe Aktien nach Taucher wieder gehalten

Die Auswirkungen der Wahlen werden gemäss Kommentatoren denn auch eher mittelfristig Auswirkungen zeigen. Einerseits dürfte der KI-Boom gebremst werden, weil der Widerstand gegen den Bau von Datenzentren sich über die nächsten Monate akzentuieren dürfte. Ob dann weniger und langsamer gebaut wird, ist allerdings offen. Ein Entgegenkommen der Hyperscaler gegenüber den Kommunen mit finanziellen Anreizen könnte den Bau wider Erwarten befeuern.

Vor diesem Hintergrund fällt die Kursreaktion der grössten KI-Aktien verhältnismässig gering aus. Angesichts der Rolle, die KI für die US-Wirtschaft spielt, sorgten Spekulationen darüber, ob ein von den Demokraten dominierter US-Kongress die Investitionspläne im KI-Bereich bremsen könnte, kurzzeitig für Unruhe an den Märkten. Die Aktienmärkte in Korea und Taiwan - die stark von Chipexporteuren geprägt sind - gaben nach Bekanntwerden der Resultate über Nacht vorübergehend um nahezu 4 Prozent nach. Bis um 9.00 Uhr europäischer Zeit konnten diese Verluste jedoch vollständig wettgemacht werden.

Mit Blick auf die nächsten Monate dürfte der Franken zur Stärke neigen. Der Grund hierfür ist bei der Schweizerischen Nationalbank zu suchen, nachdem die am Dienstag publizierten Schweizer Inflationszahlen über den Erwartungen ausfielen. Eine restriktivere Haltung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sei ein eindeutig positiver Faktor für den Schweizer Franken, schreibt Chris Turner, Devisenexperte bei der ING Bank, in einem Kommentar.

Er begründet diese Einschätzung mit dem Umstand, wonach sich Händler an das Jahr 2023 erinnern dürften, als die SNB den Franken aktiv stärkte und im Rahmen ihrer strafferen Geldpolitik Devisen verkaufte. In den kommenden Monaten dürfte das Interesse am Schweizer Franken weiter zunehmen, was mit Abwärtsrisiken für die Prognose beim Euro zum Franken einhergehe, so Turner von der ING Bank weiter. 

Fiskalpolitik im Fokus

Die US-Wahlen haben nicht zwingend einen sofortigen negativen Einfluss auf den Dollar. Zwar können die Demokraten Trumps finanzpolitische Vorhaben ausbremsen, schreibt Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury. Der Präsident behält jedoch sein Vetorecht, und die für dessen Überstimmung erforderliche Zweidrittelmehrheit dürfte zumindest im Senat kaum zu erreichen sein. Damit kann der Kongress neue Ausgaben verhindern, bereits beschlossene Massnahmen aber nicht ohne Weiteres rückgängig machen, so der Experte von Ebury. 

Die eigentliche Bewährungsprobe für die US-Finanzpolitik steht erst 2027 an, weil dann über die Schuldenobergrenze verhandelt wird. Ob das den Franken zum Dollar weiter stärkt, wird sich weisen müssen. Aufgrund der hohen Leitzinsdifferenz von 4,25 Prozent könnte der Dollar über die nächsten Monate sich seitwärts bewegen.

Die Unsicherheiten über die Fiskalpolitik in Übersee dürften demnach den Goldpreis mittelfristig stützen. Ob dies kurzfristig ebenfalls der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ein Blick auf die gehandelten Volumen deutet auf unterdurchschnittliche Werte hin. Das spricht erfahrungsgemäss gegen kurzfristig weiter steigende Kurse und könnte eine weitergehende Kurserholung beim gelben Edelmetall relativ schnell wieder unterbinden. Einzig ein deutlich schwächerer Dollar würde kurzfristig für weiter steigende Goldnotierungen sprechen.

Thomas Daniel Marti
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