Der Franken steigt am Montagmorgen gegen den Euro bis auf ein Niveau von 0,9228. So fest notierte der Franken gegenüber der europäischen Einheitswährung seit Mitte Juli nicht mehr. Ende September notierte das Währungspaar noch bei einem Stand von fast 0,9500.

Grund für den Anstieg ist die Situation in Frankreich. Waren es bislang hauptsächlich die anziehenden Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen des Landes, welche den Euro schwächten, sind es aktuell die schweren Ausschreitungen in französischen Städten, die zusätzlich Druck auf die Währung ausüben. Plünderungen, Brandstiftungen und Angriffe auf Rathäuser verursachten während der landesweiten Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten am Samstag Millionenschäden.

Premierminister Sébastien Lecornu sprach von einem «entsetzlichen Ausmass an Gewalt». Nach den schweren Ausschreitungen in Frankreich am Wochenende hat Innenminister Laurent Nuñez seinen Rücktritt angeboten. Präsident Emmanuel Macron lehnte dies ab. Investoren befürchten zudem, dass politische Ränkespiele ​im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr die Bemühungen der ‌Regierung zur Senkung des hohen Haushaltsdefizits behindern könnten.

Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, erwartete bereits letzte Woche wegen der Frankreich-Krise einen weiter steigenden Franken, wie er im cash-Interview sagte. «Die finanzielle Situation in Frankreich ist schwierig. Problematisch ist das Budgetdefizit von rund 5 Prozent des BIP, welches von einem schwachen nominalen BIP-Wachstum von 1,9 Prozent nicht aufgefangen werden kann. Die Schuldenquote wird deshalb weiter steigen, und es ist kein politischer Wille für schmerzhafte Sparmassnahmen zu erkennen», so Stucki. 

Lagarde: Frankreich muss die Probleme selbst lösen

Die aktuellen Bilder der Jugendproteste und die Hilflosigkeit der Regierung hinterliessen auch kein Bild eines stabilen und zuverlässigen Schuldners. «Den Investoren wird in Erinnerung gerufen, dass die grundlegenden Probleme der Eurozone wie die Schulden vieler Euroländer, ihre mangelnde Haushaltsdisziplin und die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern nicht gelöst sind», so Stucki weiter.

Seit Wochen wird angesichts der Lage an den Märkten auch darüber spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) an den Märkten eingreifen könnte und Frankreich damit zur Hilfe ​eilen ​könnte. Diesen Spekulationen gab EZB-Chefin Christine Lagarde letzte Woche einen Dämpfer. Es ⁠liege an Frankreichs Regierung, die Anleger zu beruhigen, sagte ‌Lagarde bei CNN. Das Land sollte seine Schuldenprobleme durch eine Konsolidierung der Haushaltspolitik lösen.

Stucki von der St. Galler Kantonalbank glaubt ebenfalls nicht, dass die EZB an den Märkten zur Tat schreiten wird. «Momentan gibt es für die EZB noch keinen Grund, über zusätzliche Käufe von Staatsanleihen helfend einzugreifen.» Die Zentralbank werde sich wegen des Stresses an den Bondmärkten auch kaum davon abhalten lassen, mögliche weitere Zinserhöhungen durchzuführen. 

Stucki sieht den Euro tiefer als bei einem Stand von 93 Rappen, «aber über der Marke von 90 Rappen».

 

 

Daniel Hügli
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