Eigentlich waren die Zweitquartalszahlen von ABB vom Donnerstag fast makellos. Der Technologie- und Industriekonzern hat im zweiten Quartal 2026 ein noch schnelleres Wachstumstempo hingelegt als im ersten. Sowohl Umsatz als auch Auftragseingang legten zweistellig zu, dies bei einer weiter verbesserten Gewinnmarge.

Dennoch sackte die Aktie um 6 Prozent ab auf 78,26 Franken. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Mai. Der Titel hatte zuvor mit einem zwischenzeitlichen Plus von fast 50 Prozent seit Jahresbeginn stark zugelegt, getrieben von nicht unberechtigten Wachstumsaussichten im Bereich Rechenzentren.

Vor allem die geplante Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork passte den Investoren am Donnerstag nicht. ABB bietet dafür rund 5,5 Milliarden Dollar. Die Übernahme würde den Umsatz von ABB um 3 Prozent erhöhen und die Marge verbessern. Rotork soll als eigene Division innerhalb von Automation weitergeführt werden und das Angebot im Bereich intelligenter Feldgeräte, Automatisierung und elektrischer Stellantriebe erweitern.

Am Markt wurde der Übernahmepreis kritisiert. Die Zürcher Kantonalbank bezeichnete ihn als stolz. Auch die Bank Vontobel beurteilte den Preis für die angestrebte Akquisition als hoch. Aus strategischer Sicht mache der Zukauf aber Sinn.

CEO Morten Wierod bezifferte das Verhältnis des Unternehmenswerts von Rotork im Verhältnis zum operativen Gewinn auf Stufe EBITDA auf rund 19,5x. Das wurde in Analystenkreisen als zu hoch taxiert.

«Das Timing für die Rotork-Übernahme ist gut, weil ABB gut in Form ist. Das Unternehmen passt strategisch sehr gut zu ABB», entgegnete ABB-Chef Morten Wierod an einer Telefonkonferenz. Ausserdem sei die Philosophie von Rotork derjenigen von ABB ähnlich. Wierod geht davon aus, dass die Transaktion langfristig für die ABB-Aktionäre Wert generieren wird.

Ob sich die ABB-Aktie am Freitag erholen kann, bleibt abzuwarten. Das Börsenumfeld mit sinkenden Märkten in Asien und auch in den USA ist indes nicht das beste.