Nach SNB-Eingriffen - Der Schweizer Franken wird zum «enttäuschenden» Hafen

Die Dauerbotschaft der Schweizerischen Nationalbank, dass sie Eingriffe am Devisenmarkt und negative Zinsen zur Begrenzung einer Frankenaufwertung nutzt, scheint die gewünschte Wirkung zu haben.
04.04.2017 19:15
Starke Währung Schweizer Franken, aber auch von der SNB manipuliert.
Starke Währung Schweizer Franken, aber auch von der SNB manipuliert.
Bild: Bloomberg

Die Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bewegen einige Vermögensverwalter dazu, die Attraktivität des Franken zu überdenken - besonders vor den Frankreich-Wahlen im kommenden Monat, bei denen der Anti-Euro-Politikerin Marine Le Pen gute Chancen nachgesagt werden.

Aberdeen Asset Management, mit einem Anlagevolumen von umgerechnet rund 374 Milliarden Dollar Ende 2016, nutzt Dollar-Aktiva und den Yen als sichere Häfen, während Vontobel Asset Management eher Alternativen wie deutsche Bundesanleihen anstelle des Franken bevorzugt.

Ein Blick auf die Entwicklung der Schweizer Devise spricht für sich. Am Tag nach dem Votum der Briten, die EU zu verlassen, gewann sie zum Euro weniger als 1 Prozent an Wert hinzu. Zum Vergleich: Der Goldpreis und der Yen zum Dollar waren jeweils um die 4 Prozent gestiegen. Und die Aufwertung des Franken am Tag der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten fiel vergleichsweise gering aus im Vergleich zu anderen Anlagen, die oft als sicherer Hafen gelten.

"Wenn man sich die Preis-Reaktionen bei Stress anschaut und wie enttäuschend der Schweizer Franken beim Thema sichere Häfen ist, wird einem klar, dass die SNB versucht, der Welt zu sagen 'Nutze meine Währung nicht als sicheren Hafen, weil ich das bekämpfen werde'", sagt Ludovic Colin, Chef für globale flexible Anleihen bei Vontobel. Die SNB sage, so Colin, "Du hat Gold, Du hast den Yen, nutze sie, höre auf, meine Währung zu verwenden".

Seit Jahresbeginn nur wenig erstarkt 

Die SNB hatte in der Vergangenheit am Markt eingegriffen, um die Aufwertung des Franken einzugrenzen, nachdem der Mindestkurs für den Euro im Januar 2015 aufgehoben worden war.

Die Notenbank wiederholte mehrmals ihre Drohung, in den Markt zu gehen, um eine Aufwertung des Franken zu verhindern. Noch immer sei die Währung "signifikant" überbewertet. Am Dienstagnachmittag lag der Franken bei 1,0686 je Euro, womit er seit Jahresbeginn nur rund 0,2 Prozent zugelegt hat.

"Die meisten unserer Fonds basieren auf dem Pfund Sterling. Falls wir also in Sorge über die Welt geraten, können wir zumindest immer noch Barmittel halten und dafür bezahlt werden - statt Schweizer Aktiva zu besitzen und sie für das Privileg bezahlen zu müssen, ihnen Geld zu leihen", erklärt Luke Hickmore, leitender Investmentmanager bei Aberdeen Asset Management in Edinburgh. Die Fondsgesellschaft fusioniert gerade mit Standard Life. Dabei entsteht der grösste Vermögensverwalter Schottlands.

Hickmore entschied sich für "Euro- und Dollar-Laufzeiten" im Vorfeld des Brexit-Votums. Colin von Vontobel sagt, keine seiner Anlagestrategien hielt vor oder nach der Brexit-Abstimmung Franken. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen mit Renditen um 0,45 Prozent und 0,50 Prozent sind seinen Worten zufolge "exzellente" sichere Häfen im Angesicht aller politischen Risiken Europas.

Zwar sei es möglich, dass die SNB eine kontrollierte Aufwertung des Franken erlaube, aber sie werde die Devise mit Sicherheit nicht auf extreme Niveaus klettern lassen, sagt Colin. "Ich glaube nicht, dass sie wollen, dass der Schweizer Franken eine Schlagzeile ist. Sie haben versucht, sich selbst von der Panik-Knopf-Liste zu nehmen."

(Bloomberg)