Nach Spiesshofers Abgang - Wie viel Optimismus darf es bei ABB sein?

Mit dem Führungswechsel werden bei ABB die Karten neu gemischt. Bei der künftigen Aktien-Performance ist die cash-Leserschaft im Moment eher skeptisch.
23.04.2019 14:40
Von Marc Forster
ABB-Gebäude in Zürich-Oerlikon.
ABB-Gebäude in Zürich-Oerlikon.
Bild: cash/fsc

Ex-ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer haftet ein Makel an. Zwischen September 2013 und April 2019 - seiner Zeit als Chef des weltumspannenden Elektronik- und Automationskonzern – hat sich der Wert der Aktie kaum entwickelt. Die erfolgreiche Neuausrichtung der Robotik-Sparte, diverse Zukäufe und auch die Veräusserung der wachstumsschwachen Stromnetzsparte an Hitachi bewegten unter Spiesshofers Ägide letztlich nichts. Zwar erklomm der Titel Ende 2017 einmal 27,24 Franken, aber am Ende von Spiesshofers Amtszeit steht unter dem Strich ein Minus von 1,4 Prozent.

Zur Frage, wie es mit der ABB-Aktie in den nächsten 24 Monaten weitergeht, haben über 4300 Leserinnen und Leser von cash abgestimmt. Das Ergebnis der Umfrage zeigt zwei Dinge: Der grösste Teil der Teilnehmer, 43 Prozent, glaubt an einen steigenden Kurs. Die Mehrheit hingegen erwartet eine Stagnation oder ein Absinken der Kursentwicklung.

Ob ABB in der aktuellen Zusammensetzung und der heutigen Grösse eine nachhaltige Kurssteigerung erreichen kann, ist umstritten. Im Sinne der Aktienmärkte wäre es, wenn sich die ABB-Aktie dauerhaft von der 20-Franken-Marke nach oben lösen könnte. Unter den Analysten ist der Optimismus diesbezüglich gedämpft. Bloomberg weist ein durchschnittliches 12-Monate-Kursziel von 22,96 Franken aus.

Dies entspräche einer Kurssteigerung von knapp 10 Prozent. Etwas besser steht es für ABB bei den Kaufempfehlungen: 15 Mal zählt Bloomberg ein "buy", 15 Mal ein "Hold" und nur 3 Mal ein "Sell".

Aktivistische Investoren

Kurstreiber sind derzeit Erwartungen, dass ein künftiger Firmenlenker den ABB-Konzern aufspalten könnte. Die Nachricht von Spiesshofers sofortigem Rücktritt vom CEO-Posten am vergangenen Mittwoch führte zu einem Kurssprung der Aktie um 5,4 Prozent. Der aktivistische Grossaktionär Cevian mit 5,3 Prozent Aktienanteil drängt seit längerem auf eine neue Konzernstrategie.

Mehr zum Thema aus der "Handelszeitung": Schweizer Firmen sind im Visier von aktivistischen Investoren

Den Verkauf der Stromsparte, der Ende 2018 verkündet wurde, hatte Cevian schon seit geraumer Zeit verlangt. Seit kurzen ist mit Artisan ein weiterer Aktionär eingestiegen, der mit Forderungen noch Staub aufwirbeln könnte. Der frühere Panalpina-Investor hat über 3 Prozent der Aktien.

Manche Kenner des Unternehmens führen die Probleme von ABB auf den ehemaligen CEO Percy Barnevik (1988-1996) zurück, der dem Unternehmen eine zu komplizierte Struktur gegeben hat. Spiesshofer versuchte, diese Strukturen zu vereinfachen. Aber in Sachen Gewinne und Cash-Flows wirkten sich seine Bemühungen nicht positiv aus.

Der Kurs der ABB-Aktie während der Zeit von Ulrich Spiesshofer als CEO: September 2013 bis April 2019 (Grafik: cash.ch).

Spiesshofer hat die Dezentralisierung des Konzerns in Angriff genommen, Investoren erwarten aber mehr. In der Branche weist der besser strukturierte französische Konzern Schneider Electric heute 40 Prozent mehr Börsenwert auf als vor fünf Jahren. Alstom, das sich auf den Bahnbau konzentriert und Energiedivisionen an General Electric verkauft hat, hat einen Kursteigerung in der gleichen Grössenordnung erlebt.

Bei Siemens, ebenfalls mit einem grösseren Konzernumbau, beträgt das Plus seit 2014 noch 18,3 Prozent. General Electric in den USA, ebenfalls von strategischem Wirrwarr geprägt, hat hingegen 63,4 Prozent verloren.

Bekenntnis zur Dezentralisierung

ABB wird im Moment interimistisch von Verwaltungsratspräsident Peter Voser geführt. Vergleicht man ABB mit ähnlichen Unternehmen wie Schneider Electric oder Alstom, hat der Konzern mit einem neuen CEO in der Tat das Potential, den Kurs zu steigern. Derzeit besteht ABB aus den Bereichen Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik, Robotik und Fertigungsautomation sowie (noch) Stromnetze. Diese Sparten haben zum Teil wenig Synergien, was den Konzern insgesamt hemmt. 

Abhängig ist der künftige Erfolg davon, wie, wann und ob ABB eine neue Strategie vorstellt, die auch verfängt. Interimschef Voser äusserte sich vergangene Woche eher vorsichtig und sagte, die aktuelle Strategie werde grundsätzlich beibehalten. Andererseits schloss er Portfolio-Bereinigungen nicht aus. Dies weckt die Hoffnung, dass der Konzern insgesamt profitabler wird und bessere Margen erwirtschaften kann.

Ebenfalls wollen Analysten und Industrieexperten von Voser ein Bekenntnis zur Dezentralisierung des Konzerns herausgehört haben. Sollten diese Ansätze zu einer besseren Leistung bei ABB führen, würde sich wohl auch die Skepsis der cash-Leserschaft gegenüber der Aktie verringern.

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