Nach Übernahme durch OVSWie weiter mit Charles Vögele in der Schweiz?

Charles Vögele wird dieses Jahr vom italienischen Modeunternehmen OVS geschluckt. Kommt es zu Massenentlassungen beim Schweizer Verkaufspersonal? OVS verstrickt sich in Widersprüche und sorgt für Verwirrung.
15.02.2017 19:45
Von Pascal Züger
(Noch-)Hauptsitz von Charles Vögele in Pfäffikon Schwyz.
(Noch-)Hauptsitz von Charles Vögele in Pfäffikon Schwyz.
Bild: cash / pz

Nach fünf Jahren mit roten Zahlen und erfolglosen Strategieschwenkern musste das 1955 gegründete Schweizer Traditionsunternehmen Charles Vögele im letzten Jahr endgültig die Reissleine ziehen: Im Dezember kam die Übernahme durch Sempione Retail - zu welcher das italienische Modehaus OVS gehört - offiziell zustande. Der Name Vögele wird noch in diesem Jahr vollständig verschwinden, aus den Filialen werden OVS-Verkaufsstellen.

Und die Umstrukturierung ist bereits in vollem Gange: Im Januar wurden 100 der insgesamt 320 Mitarbeitenden an der Zentrale in Pfäffikon SZ auf die Strasse gestellt. Ende Januar schickte Vögele seine 95 Standorte in den Niederlanden in die Insolvenz. 700 Mitarbeitende verlieren dadurch ihren Job.

Auch in Deutschland verschwindet der Name Charles Vögele. Ein Grossteil der Filialen werden von den Handelsunternehmen Tedi, Woolworth und Kik übernommen. Und in den nächsten Wochen soll das Dekotierungsgesuch bei der Schweizer Börse für die Vögele-Aktie eingereicht werden.

Noch nicht betroffen von der Entlassungswelle sind die knapp 1500 Angestellten in den 163 Vögele-Filialen in der Schweiz. CEO Markus Voegeli betonte noch im Oktober 2016 im cash-Interview, dass es bei einem Stellenabbau nur Mitarbeiter in der Zentrale treffen würde, nicht jedoch das Verkaufspersonal.

OVS sorgt für Verwirrung

Über die künftige Personalpolitik - das liegt auf der Hand - entscheidet letzten Endes aber OVS und nicht mehr Vögele. OVS-CEO Stefano Beraldo kündigte vor Schweizer Medien im Dezember 2016 an, dass das Filialnetz in der Schweiz um 10 bis 15 Prozent gestrafft werden soll (siehe auch NZZ-Artikel). Somit würden ungefähr 20 Filialen geschlossen, was 180 Entlassungen zur Folge hätte.

Inzwischen dementiert OVS allerdings diese Zahl. Gegenüber cash lässt der Medienverantwortliche von OVS verlauten, dass nur 3 Prozent der Filialen geschlossen werden sollen. Das wären bloss fünf Filialen und beträfe noch etwa 45 Mitarbeitende. Von den früher erwähnten Zahlen weiss man bei OVS inzwischen nichts mehr.

Ein Aderlass beim Verkaufspersonal ist möglich

Die Kommunikation von OVS verwirrt auch die Mitarbeiter von Vögele in der Schweiz, bis auf obere Etagen. Dort hat man durchaus eigene Rechnungen angestellt. Demnach rechnet man intern damit, dass in der Schweiz nicht nur 20 Filialen wegfallen, sondern zusätzlich auch noch in jeder verbleibender Filiale zwei Stellen überflüssig werden, wie cash von einem Vögele-Insider erfahren hat. Alles in allem wären dies rund 460 Entlassungen im Verkauf - oder beinahe ein Drittel des gesamten Schweizer Verkaufpersonals. 

Die Befürchtungen kommen nicht von ungefähr: Wer schon einmal ein OVS-Kleidergeschäft in Italien besucht hat, weiss: Nicht Verkaufsberatungen stehen im Vordergrund, sondern Mode zu möglichst günstigen Preisen. Verkaufspersonal existiert daher kaum, OVS sieht sich schliesslich als Konkurrenz zu Billiganbietern wie H&M oder Zara.

Dieser Personalabbau könnte vor allem die älteren Angestellten betreffen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Vögele sind gemäss Geschäftsbericht im Durchschnitt 39 Jahre alt. OVS hingegen zielt auf ein jüngeres Publikum ab. Und wird dementsprechend wohl auf ein jüngeres Verkaufspersonal setzen.

Charles Vögele dementiert nicht

Charles Vögele dementiert einen möglichen Stellenabbau auf Anfrage von cash nicht. "Natürlich überprüfen wir laufend die Standorte und können deshalb Filialschliessungen oder Standortverschiebungen nicht ausschliessen. Das gehört aber im Einzelhandel zum Tagesgeschäft und deshalb spekulieren wir nicht über eine mögliche Anzahl", sagt Vögele-Pressesprecherin Nicole Borel. Borel erwähnt jedoch, dass OVS wachsen wolle und beabsichtige, in der Schweiz ein dichtes Filialnetz zu betreiben.

Die Vögele-Übernahme ist übrigens der zweite Expansionsversuch des früher Oviesse genannten Konzerns in der Schweiz. 2001 vereinbarten Oviesse und Globus zuerst, dass Oviesse 35 der 60 ABM-Filialen übernehmen sollte. Bereits 2004 beendete Oviesse aber sein Schweiz-Abenteuer wieder, weil die Firma das Konkurrenzumfeld in der Schweiz unterschätzte, unter anderen H&M.