Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent, und damit noch einmal stärker als die 3,4 Prozent im August, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten nur einen Wert von 3,6 Prozent veranschlagt. Preistreiber ist vor allem der infolge des Iran-Krieges gestiegene Spritpreis.
Laut Ökonom Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steuert die vom Ölpreisschock befeuerte US-Inflation in den nächsten Monaten auf eine Rate von über vier Prozent zu. Dies sind denkbar schlechte Vorzeichen für Trumps Republikaner für die Zwischenwahlen am 3. November, bei denen sie um ihre Mehrheit im Kongress bangen müssen. Trump steht bei seinen Wählern im Wort: Er war im Januar 2025 mit dem Versprechen ins Weisse Haus zurückgekehrt, die Inflation in den Griff zu bekommen. Zugleich hat er die unabhängige Notenbank immer wieder vergeblich zu Zinssenkungen aufgefordert. Diese erhöhte die Zinsen allerdings jüngst. Nach dem neuerlichen Inflationsschub vom September wird an den Finanzmärkten die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schritts nach oben für die anstehende Sitzung Ende des Monats auf nunmehr 46 Prozent taxiert.
Naht weitere Zinserhöhung?
Der Zinsentscheid fällt in die heisse Phase des Wahlkampfs: «Normalerweise hält sich die Fed an solchen politisch kritischen Terminen zurück. Die Finanzmärkte sind sich da allerdings nicht so sicher», erläuterte Commerzbank-Experte Christoph Balz und fügte an: «Die heutigen Zahlen haben das Risiko auf jeden Fall erhöht, dass die Fed nicht gemäss unserer Prognose bis Dezember wartet.»
Die zunehmenden Inflationssorgen bremsten die US-Börsen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte am Morgen (Ortszeit) 0,3 Prozent höher bei 51.830 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,4 Prozent auf 7778 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,5 Prozent auf 27.081 Punkte.
Unterschiedliche Signale aus der Fed
Die Notenbank stemmte sich im September mit der ersten Zinserhöhung binnen rund drei Jahren gegen den anhaltenden kräftigen Preisauftrieb. Aus der Federal Reserve kommen unterschiedliche Signale mit Blick auf den weiteren Kurs. Die Fed könne vor einem weiteren Schritt noch abwarten, wie sich die Finanzmärkte und die Wirtschaft entwickelten, sagte Fed-Direktorin Michelle Bowman. Die Chefin des Fed-Bezirks Boston, Susan Collins, hatte zuvor erklärt, die US-Notenbank müsse ihrer Ansicht nach die Zinsen noch vor Jahresende erneut anheben, um die hohe Inflation zu drücken.
Die Notenbank achtet auch stark auf die sogenannte Kernrate bei der Inflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel und Energie aussen vor bleiben. Diese Kennziffer stieg im September auf 2,6 Prozent, nach 2,4 Prozent im August. «Auch wenn die Kerninflationsrate etwas stärker zulegt, von klaren Zweitrundeneffekten kann bislang immer noch nicht die Rede sein», sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Er bezog sich auf eine von Notenbanken gefürchtete Entwicklung, bei der sich Preise und Löhne gegenseitig aufschaukeln und die Inflation verfestigen.
(Reuters)

