Der Franken hat in diesem Jahr gegenüber dem Euro bereits um 2 Prozent und gegenüber dem Dollar gar um 3,5 Prozent zugelegt. Am Montag erreichte das Währungspaar Euro/Franken einen Wert von 0,9095. Das ist ein Rekord, sieht man von den Währungsturbulenzen bei der Aufhebung der Euro-Mindestgrenze im Januar 2025 ab.

Die Frankenaufwertung stärkt die Rolle der Schweizer Währung als bevorzugten Zufluchtsort für Anleger, die von der moderaten Verschuldung, der stabilen Wirtschaft und der berechenbaren Politik der Schweiz angezogen werden.

Die Nachfrage nach dem Franken im Vergleich zum Euro hat laut den Strategen der ING Bank, Chris Turner und Francesco Pesole, ein «aussergewöhnliches» Niveau erreicht, da globale Anleger weiterhin defensive Positionen aufbauen und sich gegen eine Dollar-Schwäche absichern. Die US-Währung hat seit Anfang 2025, als Präsident Donald Trump ins Weisse Haus zurückkehrte und begann, regelmässig politische Schocks auszulösen (darunter einen Handelskrieg und den Vorstoss zur Annexion Grönlands) rund 10 Prozent an Wert verloren.

Ein Risiko für Anleger besteht darin, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB), die seit langem in die Devisenmärkte eingreift, den Franken abwertet, um dem Deflationsdruck entgegenzuwirken. Bislang scheinen die Anleger nicht übermässig besorgt zu sein. Die Optionsmärkte zeigen, dass Händler mit einer weiteren Aufwertung rechnen. Indikatoren wie die Volatilitätsschiefe deuten an, dass die positive Frankenpositionierung sich seit April nahe dem oberen Ende ihrer Spanne befindet gegenüber Euro und Dollar - ein Zeichen dafür, dass Händler weiterhin gegenüber weiteren Kursgewinnen der Schweizer Währung Schutz suchen.

Die andere Option der Zentralbank wäre, die Zinsen, die derzeit bei Null liegen, in den negativen Bereich zu senken. Allein die Aussicht auf Negativzinsen kann die kurzfristigen Erwartungen schnell verändern, selbst wenn diese nicht eintreten. SNB-Präsident Martin Schlegel sagte Anfang des Monats, dass die Einführung von Negativzinsen auf erhebliche Hürden stosse, die Zentralbank aber bereit sei, dies gegebenenfalls zu tun.

Blick auf die Schweizer Inflationsdaten am Freitag

Die am Freitag erwarteten Inflationsdaten könnten die Erwartungen der Händler dämpfen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Schweizer Konsumentenpreise im Januar im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,1 Prozent gestiegen sind. Dies deutet darauf hin, dass ein stagnierender oder sogar negativer Wert nicht mehr fern ist – was die Diskussionen über die Notwendigkeit negativer Zinsen neu entfachen könnte.

Banken, die für einen weiteren Anstieg des Franken plädieren, argumentieren jedoch, der Markt überschätze möglicherweise die Bereitschaft der Zentralbank, gegen die Zinssenkung auf dem aktuellen Niveau vorzugehen. Die Schweiz hatte zwischen 2015 und 2022 negative Zinsen, die bei Sparern und Kreditgebern unbeliebt waren.

ING erklärte, der Handlungsspielraum der Zentralbank sei begrenzt, da die Möglichkeiten, die Zinsen in den negativen Bereich zu senken oder durch Devisenkäufe einzugreifen, als eingeschränkt angesehen werden. Strategen von Morgan Stanley unter der Leitung von Andrew Watrous empfehlen, den Euro gegenüber dem Schweizer Franken zu verkaufen, da Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Intervention auf dem aktuellen Niveau überschätzen.

Die Schweiz steht seit Juni letzten Jahres wegen potenzieller Währungsmanipulation auf einer US-Beobachtungsliste, und eine Intervention könnte eine Rüge aus Washington zur Folge haben. Im September gaben die beiden Länder eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie sich verpflichteten, keine Währungen zu manipulieren. Die SNB bekräftigte, ihre Geldpolitik weiterhin auf Preisstabilität auszurichten.

Mit Blick auf die Zukunft könnte der Franken vor weiteren grösseren Kursbewegungen stehen. Handels- und Optionsdaten deuten darauf hin, dass Händler sich auf 0,9150 Euro/Franken positioniert hatten – ein Niveau, das bereits erreicht wurde. Sollte diese Marke unterschritten werden, könnte dies weitere Kursbewegungen ermöglichen. Sogenannte Butterfly-Optionen, die die Nachfrage nach Optionen mit einem breiteren Auszahlungsbereich widerspiegeln, notieren auf dem höchsten Stand seit Juni.

(Bloomberg/cash)