Angesichts des Ölpreisschocks ist laut Bundesbankchef Joachim Nagel eine Zinserhöhung der EZB weiterhin eine Option. Er verwies am Dienstag in Zürich darauf, dass bereits bei der vergangenen Ratssitzung darüber gesprochen worden sei. Nun müsse der EZB-Rat die Entwicklung der nächsten Wochen abwarten: «Wir kommen im Juni zusammen und dann werden wir auf Basis der neuen Datenlage entscheiden», fügte er hinzu. Die Europäische Zentralbank müsse die Zinsen anheben, falls der wegen des Iran-Kriegs ausgelöste Ölpreisschock die langfristigen Inflationserwartungen in der Euro-Zone aus der Verankerung zu lösen drohe.
Nagel hatte jüngst darauf verwiesen, dass bei der nächsten EZB-Ratssitzung neue Prognosen zu Wachstum und Preisentwicklung vorgelegt würden: Sollten sich die Inflationsaussichten darin nicht merklich verbessern, spreche dies für eine Zinserhöhung. Die EZB wird laut dem österreichischen Notenbankchef Martin Kocher bei ausbleibender Entspannung der Inflation nicht um eine geldpolitische Straffung in nächster Zeit herumkommen. Der EZB-Rat entscheidet am 11. Juni über den Leitzins. Die meisten Experten rechnen dann mit einer ersten Zinserhöhung. Zuletzt hatten die Währungshüter den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen. (Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

