Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli für möglich. Die EZB halte sich für ihre nächste geldpolitische Sitzung im Juli alle Möglichkeiten offen, sagte Nagel am Freitag. Die Notenbank sei bereit, erneut zu handeln, falls dies nötig sei, um eine Ausbreitung des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisanstiegs zu stoppen. «Wir halten uns alle Optionen offen und sind bereit, erneut zu reagieren, falls wir es müssen», hiess es in einer Erklärung Nagels.
Die EZB hatte am Donnerstag erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben - von 2,0 auf 2,25 Prozent. Sie ist damit die erste grosse Zentralbank, die ihre Geldpolitik als Reaktion auf den Ölpreissprung verschärft. Die Inflation war zuvor über drei Prozent gestiegen und auch die Teuerung ohne Energiepreise lag deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Nagel, der als möglicher Nachfolger von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im kommenden Jahr gilt, sagte, die Zinserhöhung sei notwendig gewesen.
Die Inflation breite sich nun über den Energiesektor hinaus aus und beginne, die Preise für andere Waren und Dienstleistungen zu beeinflussen. «Der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöste Angebotsschock erweist sich als stark und hartnäckig», sagte Nagel. «Der EZB-Rat hat Entschlossenheit gezeigt - das hilft zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen entkoppeln.»
Insidern zufolge ist eine weitere EZB-Zinserhöhung im Juli nicht das Basisszenario der Währungshüter. Zu einem solchen Schritt könne es jedoch kommen, sollten die Energiepreise weiter steigen oder die EZB mit einer weiteren negativen Inflationsüberraschung konfrontiert werden, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag nach dem Zins-Beschluss erfahren.
(Reuters)

