Die Preise im Euroraum sind mit Beginn ‌des ⁠Nahost-Kriegs massiv gestiegen und nähren neue Inflationssorgen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März um durchschnittlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie ⁠das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit 2,6 Prozent gerechnet, nach 1,9 Prozent im Februar. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent ‌an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Damit steigt der Druck auf ‌die EZB, bei ihrer nächsten Sitzung Ende April über eine Erhöhung des ​Leitzinses nachzudenken, um gegen die anziehende Inflation vorzugehen. Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsanstieg um 0,25 Prozent im April an den Finanzmärkten mit rund 57 Prozent taxiert.

«Die massiv gestiegenen Energiepreise haben die Inflation im März nach oben katapultiert», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. «Spätestens im Mai dürfte sie über drei Prozent liegen, sofern der Krieg nicht schnell endet.» Danach sollten die hohen Energiepreise zunehmend andere Güter verteuern ‌und die Kerninflation steigen lassen. «Der steigende Inflationsdruck spricht dafür, dass die EZB ihre Leitzinsen im April oder spätestens im Juni erhöht», betonte Krämer.

Zweitrundeneffekte entscheidend

«Das bisherige preisstabile Umfeld sagt Tschüss», erklärte auch Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. «Die Inflationsrate schiesst ​wegen des exogenen Schocks durch den Iran-Krieg deutlich nach oben.» Mit Rohöl, Gas, Düngemitteln, Helium und ​anderen gebe es jetzt gewichtige Preistreiber. «Selbst bei einem bald endenden Krieg wird die Inflationsrate ​länger erhöht bleiben.» Minen in der Strasse von Hormus sind zu räumen und Produktionsanlagen zu reparieren. Die Energiepreise dürften sich deshalb nur zögerlich normalisieren. «Sobald Zweitrundeneffekte klarer ‌drohen, wird die EZB die Leitzinsen anheben», erläuterte Krüger. «Bei einem länger anhaltenden Krieg wird der Rohölpreis für einen nochmaligen Inflationsschub sorgen.»

Der Iran-Krieg sorgt seit Ende Februar für deutlich höhere Ölpreise. Dies wird die Energie für Firmen und Verbraucher spürbar verteuern und für Zweitrundeneffekte sorgen, welche wiederum die ​Inflation allein ​in Deutschland in Richtung drei Prozent hochtreiben dürften. Bereits im März ⁠kletterte die deutsche Inflationsrate auf 2,7 Prozent - das ist der höchste Wert seit ​Anfang 2024.

EZB-Chefin Christine Lagarde und ⁠andere Notenbanker der EZB haben zuletzt bekräftigt, dass sie vorerst die Folgen des Iran-Kriegs abwarten wollen. Die Währungshüter haben zugleich deutlich gemacht, dass ‌sie notfalls handeln und gegensteuern würden. Seit Mitte 2025 steht der Leitzins unverändert bei 2,00 Prozent. Die Währungshüter hatten im Kampf gegen die hohe Inflation eine Serie von Zinserhöhungen beschlossen, die im September 2023 in einem Rekordniveau von ‌4,00 Prozent beim Einlagensatz gipfelten. Die EZB vollzog dann im Zuge des nachlassenden Preisauftriebs eine Wende ​und senkte 2024 vier Mal die Zinsen, 2025 folgten weitere vier Schritte nach unten.

Von Februar auf März kletterten die Verbraucherpreise deutlich um 1,2 Prozent. Die EZB blickt verstärkt auf die sogenannte Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert. Diese Teuerung fiel auf 2,3 von 2,4 Prozent. ‌Energie hingegen verteuerte sich im ​März binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent. 

(Reuters)