Nasdaq mit neuem Rekord - wie weiter?

Es hat 15 Jahre gedauert, bis die Technologiebörse Nasdaq ihre bisherige Bestmarke geknackt hat. Der jüngste Anstieg weckt alte Erinnerungen an das Platzen der letzten Blase - zu Recht?
24.04.2015 08:36
Von Lorenz Burkhalter
Die US-Technologiebörse Nasdaq ist nach 15 Jahren endlich wieder in Rekordlaune.
Die US-Technologiebörse Nasdaq ist nach 15 Jahren endlich wieder in Rekordlaune.
Bild: cash

Mittwochnacht war es endlich soweit: Nach mehr als 15 Jahren stiess der Nasdaq Composite Index vorübergehend auf 5'073 Punkte vor. Damit übertraf das viel beachtete Technologiebarometer die bisherige Bestmarke aus dem März des Rekordjahres 2000 bei 5'047 Zählern.

Der Mensch vergisst schnell, so sagt man. Allerdings lässt der jüngste Anstieg zumindest bei den alteingesessenen Anlegern alte Erinnerungen an das Platzen der Tech-Blase aufkommen. Damals büsste der Nasdaq Composite Index innerhalb von knapp drei Jahren rund 80 Prozent seiner Börsenkapitalisierung ein. Viele damals hochgejubelte Unternehmen gibt es heute gar nicht mehr.

Vieles ist anders als vor 15 Jahren…

Die mehrheitlich zuversichtlich gestimmten Aktienstrategen halten dagegen, dass die heutige Situation nicht mit jener vom März des Jahres 2000 zu vergleichen sei. Damals seien nicht weniger als 4‘800 Firmen im Nasdaq Composite Index vertreten gewesen, heute sind es gerade mal deren 2‘579. Darunter seien nur noch 42 und nicht wie in der Spitze 65 Prozent aus dem Technologiesektor, sondern aus anderen Branchen.

Ausserdem errechne sich auf Basis der Konsensschätzungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22. Die Bewertung liege damit deutlich unter jener von damals, als das Börsenbarometer mit dem 69-fachen durchschnittlichen Jahresgewinn bewertet gewesen sei.

Mit anderen Worten: Geht es nach diesen Experten, sind vor allem grosse und hochrentable Aktien wie die des US-Kultunternehmens Apple für den Höhenflug des Nasdaq Composite Index verantwortlich.

…und doch häufen sich gewisse Ähnlichkeiten

Doch auch die Zinsen waren damals nicht so tief und die Geldpolitik der führenden Zentralbanken nicht annähernd so locker wie heute.

Allerdings gibt es Entwicklungen, die Grund zum Nachdenken geben. Beispielsweise, dass immer mehr amerikanische Unternehmen die Gunst der Stunde nutzen und sich dem Publikum öffnen. Darunter sind zunehmend auch Firmen, welche noch auf Jahre hinaus Verluste schreiben werden. Gutes Beispiel ist der kürzliche Börsengang von Etsy.

Weiterhin keine Alternative zu Aktien

Gleich am ersten Handelstag erfuhren die zu 16 Dollar ausgegebenen Aktien eine Kursverdoppelung. Mittlerweile wird der Online-Marktplatz für handgemachte oder ältere Sachen von der Börse mit 4 Milliarden Dollar bewertet. Und das, obschon Etsy im Emissionsprospekt davor warnte, möglicherweise nie profitabel arbeiten zu können. Doch die Angst, möglicherweise etwas zu verpassen, lässt den gesunden Menschenverstand aussetzen.

Stutzig macht auch der Höhenflug des amerikanischen Biotechnologiesektors. Dieser hat die Wiederaufnahme der Rekordjagd am Nasdaq Composite Index überhaupt erst möglich gemacht. Doch allen Warnhinweisen zum Trotz scheint es für Anleger mangels Alternativen derzeit kein Vorbeikommen an Aktien zu geben. Der gestrige Rekord des Technologiebarometers dürfte daher wohl noch nicht der letzte gewesen sein.