Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist erneut einem US-Verdacht entgegengetreten, dass die Notenbank Währungsmanipulation betreiben könnte. «Sie versucht weder Anpassungen in der Zahlungsbilanz zu verhindern noch ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile für die Schweizer Wirtschaft zu erlangen», erklärte die SNB am Freitag in einer Mitteilung.
Zuvor hatte das US-Finanzministerium die Schweiz nach einer halbjährigen Überprüfung auf seiner Überwachungsliste für Währungspraktiken belassen. Neben der Schweiz stehen neun weitere Länder auf der Liste, darunter auch Deutschland, China und Japan. Keiner der wichtigen Handelspartner erfüllte allerdings alle drei Kriterien, die eine genauere Analyse ihrer Währungspolitik nach sich ziehen würden, erklärte das US-Finanzministerium.
Die SNB habe den US-Treasury-Bericht zur Kenntnis genommen, hiess es in einer Stellungnahme der Zentralbank. Zusammen mit den Schweizer Behörden stehe die SNB weiterhin im Kontakt mit den US-Behörden, um die wirtschaftliche Lage und die Geldpolitik der Schweiz zu erläutern. «Die SNB betreibt keine Manipulation des Schweizer Frankens», hiess es. Die Zentralbank wies auch darauf hin, dass das US-Finanzministerium Ende September anerkannt habe, dass Devisenmarktinterventionen ein wichtiges Instrument für die SNB darstellten, um angemessene monetäre Rahmenbedingungen sicherzustellen und damit ihr gesetzliches Mandat der Preisstabilität erfüllen zu können.
Der Franken gilt für viele Anleger als sicherer Hafen und ist eine der krisenfestesten Währungen überhaupt. Die SNB ist bemüht, eine zu starke Verteuerung des Frankens zu verhindern. Denn dies verbilligt Importe und kann zu einer deflationären Entwicklung führen. Zuletzt lag die Inflationsrate in der Schweiz bei 0,1 Prozent.
SNB-Präsident Martin Schlegel hatte in der vergangenen Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters betont, dass Deviseninterventionen und der Leitzins die wichtigsten Instrumente der Notenbank zur Sicherung der Preisstabilität blieben. Die SNB definiert diese als eine Teuerungsrate zwischen null und zwei Prozent – ein Ziel, das ihr gesetzlich vorgeschrieben ist. Bereits bei der Zinsentscheidung im Dezember hatte Schlegel erklärt, die Währungshüter seien weiterhin bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu werden.
(Reuters)

