Der Münchner Bau- und Medien-Softwarekonzern Nemetschek übernimmt den US-Branchenrivalen Heavy Construction Systems Specialists (HCSS) und nimmt im Gegenzug den Finanzinvestor Thoma Bravo als Miteigentümer an Bord. Die in Sugar Land im US-Bundesstaat Texas angesiedelte HCSS werde in die grösste Sparte von Nemetschek, das Geschäft mit Bau- und Architektur-Software, eingegliedert, teilte das Unternehmen am Montagabend in München mit. Thoma Bravo bekommt dafür eine Beteiligung von 28 Prozent an der Nemetschek-Sparte. Zudem übernimmt der neue Eigentümer 450 Millionen Euro Schulden von HCSS. Thoma Bravo war im Herbst 2021 bei der 1986 gegründeten Firma eingestiegen. Nemetschek wird an der Börse insgesamt mit 6,9 Milliarden Euro bewertet.
Mit HCSS steigt Nemetschek zum «nächsten globalen Marktführer für Bausoftware» auf, wie es in der Mitteilung hiess. HCSS erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 550 Mitarbeitern 215 Millionen Dollar Umsatz mit rund 4000 Kunden und kam auf eine operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von etwa 40 Prozent. Bei Nemetschek machte das Segment Build mit der Marke «BlueBeam» 2025 mit 481,3 Millionen Euro rund 40 Prozent vom Umsatz aus, die Ebitda-Marge des Segments lag mit 35,8 Prozent höher als im ganzen Konzern. Seit der Übernahme der ebenfalls zum Bau-Segment gehörenden US-Firma GoCanvas im vergangenen Jahr erwirtschaftet der Konzern 42 Prozent des Umsatzes in Nordamerika.
Nemetschek-Vorstandschef Yves Padrines sprach vom «nächsten grossen strategischen Schritt» für das Unternehmen. HCSS sei vor allem im Infrastruktur- und Tiefbau stark und ergänze damit das bestehende Portfolio. Die Infrastruktur- und Tiefbaubranche profitiere derzeit vom veralteten Bestand, grossen staatlichen Investitionen, der Energiewende und der Verstädterung, hiess es in der Mitteilung. «Gleichzeitig stärkt die Transaktion die bereits etablierte Position der Nemetschek Group in Nordamerika und erweitert das Lösungsportfolio entlang des gesamten Bau-Lebenszyklus hinweg noch weiter.»
Von Thoma Bravo verspricht sich Nemetschek auch tiefere Taschen für mögliche weitere Zukäufe. In enger Zusammenarbeit mit dem auf die Softwarebranche spezialisierten Investor wolle man die Zukunft der Branche «weiter aktiv gestalten».
(Reuters)

