Die Nestlé-Valoren notieren zwei Tage vor der Publikation der Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 auf einem Dreizehn-Monate-Hoch. Somit hat der Titel die Seitwärtsbewegung der letzten Monate hinter sich gelassen. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 8 Prozent. 

Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Nestlé in den letzten drei Quartalen beim organischen Wachstum zu überzeugen wusste. Im dritten Quartal 2025 meldete der Konzern aus Vevey ein organisches Umsatzwachstum von 4,3 Prozent und ein positives internes Realwachstum (RIG) von 0,6 Prozent, gefolgt von plus 4,0 Prozent Umsatzwachstum im vierten Quartal 2025 sowie 3,5 Prozent im ersten Quartal 2026. Damit hatte Nestlé die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten jeweils übertroffen.

Guillaume Delmas, Analyst bei der UBS, lag in den vergangenen Quartalen mit seinen optimistischen Prognosen über dem Marktkonsens richtig. Für die am Donnerstag anstehenden Zahlen zum zweiten Quartal inklusive Halbjahreszahlen 2026 sieht der UBS-Experte erneut ein Wachstum über den Marktschätzungen. Für das zweite Quartal prognostiziert er ein organisches Umsatzwachstum von 3,7 Prozent. Dies wäre eine Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal und läge über der Konsensprognose von 3,4 Prozent.

Das reale interne Wachstum (RIG = Volumen + Produktmix) von 2,1 Prozent wird gegenüber dem Marktkonsens von 1,7 Prozent von der Schweizer Grossbank ebenfalls höher gesehen. Das Preiswachstum dürfte bei 1,6 Prozent unter dem Konsens von 1,7 Prozent liegen. Dies würde einen Rückgang gegenüber den 2,2 Prozent im ersten Quartal 2026 darstellen.

Dabei dürften sich die Währungseffekte einmal mehr negativ bemerkbar gemacht haben. Der UBS-Experte erwartet für das zweite Quartal einen währungsbereinigten Umsatz von 21,353 Milliarden Franken und somit einen Rückgang von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Deshalb sollte auch der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern um 30 Basispunkte auf 16,2 Prozent fallen, meinte Delmas von der UBS weiter. Dies sei auf eine Kombination aus US-Zöllen, steigenden Rohstoffkosten für Kakao und Kaffee sowie einen weiteren Anstieg der Werbe- und Marketingausgaben zurückzuführen. Insgesamt ergebe sich daraus ein bereinigtes Ergebnis je Aktie (EPS) von 2,16 Franken im ersten Halbjahr.

Vorerst bescheidenes Kurspotenzial

Gian Marco Werro, Analyst der Zürcher Kantonalbank, sieht den Nahrungsmittelkonzern auf Kurs in einem schwierigen Umfeld mit geringen Wachstumsraten. Das Nestlé-Management reagiert seiner Ansicht nach sinnvoll mit höheren Ausgaben für Marketing, Forschung und Entwicklung sowie Effizienzmassnahmen. Für das zweite Quartal 2026 sei primär relevant, ob erstens das Kaffee-Geschäft den Rückenwind beibehalten könne und zweitens, wie sich das PetCare-Geschäft nach der Normalisierung weiter entwickle.

Der Investment Case von Nestlé hängt für den ZKB-Experten Werro von einer Verbesserung des RIG und der operativen Marge ab. Dafür müsse Nestlé in einigen Bereichen zurück zu Markenstärke und Category-Leadership finden. Seiner Ansicht nach ergreife das Management hier die richtigen Massnahmen.

«Für eine Reduktion der Nettoverschuldung von 51 Milliarden Franken, die 2,85 mal des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beträgt, ist die konsequente Umsetzung der angekündigten Kostenkürzungen und Desinvestitionen entscheidend», schrieb Werro von der ZKB in einer Kundennotiz am vergangenen Freitag weiter.

Nestlé handelt gemäss der ZKB zu einem Unternehmenswert dividiert durch den adjustierten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 14,5 mal und einer Dividendenrendite von 3,8 Prozent. Gerade Dividendenrendite dürfte wohl beim einen oder anderen Investor auf Interesse stossen. 

Die ZKB stuft den Titel mit «Übergewichten» ein, während die UBS den Titel mit «Neutral» einstuft. Gemäss AWP-Analyser empfehlen zehn Analysten den Titel mit «Kaufen», zehn mit «Halten» und einer mit «Verkaufen». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 87 Franken. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 2,5 Prozent. 

Thomas Daniel Marti
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