Am Freitag legten die Valoren von Nestlé in der Eröffnung um 1,5 Prozent zu, nachdem die Aktien von Nestlé am Donnerstag um 8 Prozent gefallen waren. Ein solcher Kurssturz kommt nicht alle Tage vor bei einem SMI-Titel. Damit hat der Titel die Kursgewinne seit Jahresbeginn fast vollständig ausradiert. 

Gegen einen raschen Rebound sprechen die hohen Handelsvolumen am Donnerstag. Letztmals wurden im September 2024 derart hohe Umsätze registriert. Damals ging es hernach mit den Aktien nach einer kurzen Konsolidierungsphase weiter abwärts. 

Im Vergleich zu vor knapp zwei Jahren ist die Ausgangslage nun anders. Damals standen viele Fragezeichen im Raum, während Nestlé mit den am Donnerstag vorgelegten Halbjahreszahlen in etwa die Erwartungen erfüllte. Operativ zeichnen sich Verbesserungen ab, die den Aktienkurs nach unten stützen dürften. 

Ein Rebound beim Valor dürfte auch davon abhängen, wie die optimistisch eingestellten Analysten von UBS und Jefferies auf den Zahlenkranz reagieren werden. David Hayes von der US-Investmentbank Jefferies hatte bei Nestlé keine 24 Stunden vor der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses mit einer Kaufempfehlung für die Aktie des Nahrungsmittelmultis aus Vevey auf sich aufmerksam gemacht. Das Kursziel setzte der Jefferies-Experte bei 99 nach 84 Franken. Davon ist der Titel ein gutes Stück entfernt. 

Operativ auf Kurs

Nestlé hat im zweiten Quartal 2026 bei den Absatzmengen an Schwung gewonnen, die Erwartungen erfüllt und den Teilverkauf seines europäischen Wassergeschäfts besiegelt. Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern sieht sich auf Kurs. Anleger vermissten aber positive Überraschungen. Der Aktienkurs brach ein.

Der Hersteller von Nespresso-Kaffee, Maggi-Würze und Purina-Tierfutter kommt bei der operativen Erholung unter dem seit Herbst amtierenden CEO Philipp Navratil voran. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum leicht auf 3,7 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorquartal.

Besonders wichtig für Investoren: Das interne Realwachstum (RIG), das die Entwicklung der Absatzmengen misst, zog von 1,2 auf 1,8 Prozent an. Damit wurde das Wachstum ausgewogener von Preisen und Absatzmengen getragen. Preisanpassungen machten 1,9 Prozent aus.

«Es gibt noch mehr zu tun»

«Unsere vom internen Realwachstum getragene Wachstumsstrategie zeigt Wirkung», erklärte Konzernchef Philipp Navratil. Zwar habe Nestlé im ersten Halbjahr «gute Fortschritte erzielt», «aber es gibt noch mehr zu tun».

Getragen wurde die Entwicklung vor allem von den Schwellenländern sowie den Sparten Kaffee und Tierfutter. China stabilisierte sich nach dem tiefgreifenden Umbau des Geschäfts erstmals wieder und wuchs im zweiten Quartal wieder aus eigener Kraft. Auch in den Industrieländern blieb die Nachfrage nach Angaben des Konzerns robust.

Der ausgewiesene Halbjahresumsatz sank wegen negativer Währungseffekte leicht auf 43,1 Milliarden Franken. Diese Kennzahl ist für Anleger allerdings zweitrangig, da sie auch durch Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen beeinflusst wird.

Profitabilität unter Druck

Bei der Profitabilität stand Nestlé weiter unter Druck. Hohe Kaffee- und Kakaopreise, US-Zölle sowie höhere Investitionen in Werbung, Innovation und Marken belasteten das Ergebnis. Die bereinigte operative Marge sank leicht auf 16,4 Prozent.

Analysten verwiesen zudem darauf, dass ausserdem ein positiver Einmaleffekt aus einer Änderung eines Pensionsplans für die Mitarbeitenden enthalten sei. Ohne diesen wäre die Margenentwicklung somit noch schwächer ausgefallen.

Der Reingewinn brach wegen Wertberichtigungen auf zum Verkauf stehende Geschäfte um rund einen Drittel auf rund 3,5 Milliarden Franken ein.

Den Ausblick bestätigte Nestlé im Wesentlichen. Weiterhin erwartet der Konzern ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent, wobei in der Formulierung das bisherige Wort «rund» gestrichen wurde. Die operative Marge soll sich gegenüber dem Vorjahr verbessern.

Beim Schuldenabbau kam Nestlé ebenfalls voran. Dank eines deutlich höheren freien Cashflows sank die Nettoverschuldung innert Jahresfrist auf 56,3 Milliarden Franken von 60,0 Milliarden im letzten Sommer. Für zusätzlichen Spielraum sollen künftig auch die Erlöse aus den laufenden Portfoliobereinigungen sorgen.

(mit Material der Nachrichtenagentur AWP)

Thomas Daniel Marti
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