Die Aktie von Nestlé, die am Mittwoch noch auf einem 14-Monate-Hoch notierte, fallen am Donnerstagmorgen bis 09.46 Uhr um 6,3 Prozent auf 80,74 Franken. Der Titel erholte sich nur leicht von Tiefstkursen in der Eröffnung, als Preise von 80,02 Franken bezahlt wurden.

Analysten zeigten sich in einer ersten Reaktion grundsätzlich zufrieden mit den präsentierten Halbjahresresultaten. Die Umsatzentwicklung wird für gut befunden. Einzig in Bezug auf das Volumenwachstum gibt es gewisse Vorbehalte, hat sich dieses im zweiten Quartal doch nicht ganz so wie erhofft belebt. Dank Preiserhöhungen bewegt sich das organische Umsatzwachstum in den ersten sechs Monaten dieses Jahres dennoch im Rahmen der Erwartungen.

Gian Marco Werro brachte es vor Börseneröffnung in einem Kommentar auf den Punkt: «Gemäss diesen Resultaten meistert Nestlé den von uns bisher hervorgehobenen Balance-Akt zwischen Wachstumsbeschleunigung und Kostenkontrolle gut. Der vorsichtigere Ausblick zur Profitabilität könnte jedoch kurzfristig orientierte Aktionäre enttäuschen.»

Der ZKB-Experte ergänzte, der Investment Case von Nestlé hänge von einer Verbesserung des RIG (Real Internal Growth) und der operativen Marge ab. Dafür müsse Nestlé in einigen Bereichen zurück zu Markenstärke und Category-Leadership finden. Das Management ergreift dafür seiner Einschätzung nach aber die richtigen Massnahmen.

Operative Fortschritte bei Kostenkontrolle

Im zweiten Quartal zogen die Verkaufsmengen von Nestlé um 1,8 Prozent an, wie der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat am Donnerstag mitteilte. Im Vorquartal hatten die Volumen um 1,2 Prozent zugelegt. Dazu kamen Preiserhöhungen von 1,9 Prozent, sodass sich das organische Wachstum auf insgesamt 3,7 Prozent belief.

Mit Währungs-Gegenwind stieg der Umsatz leicht auf 21,8 Milliarden Franken. Analysten hatten einer vom Unternehmen selbst erhobenen Umfrage zufolge mit einem Umsatz von 21,7 Milliarden Franken und einem organischen Wachstum von 3,6 Prozent gerechnet.

Über das gesamte erste Halbjahr erzielte Nestlé von Januar bis Juni damit ein organisches Wachstum von 3,6 Prozent. Das RIG verbesserte sich auf 1,5 Prozent. Der Preisbeitrag lag bei 2,1 Prozent. Von AWP befragte Analysten hatten beim organischen Wachstum mit den 3,6 Prozent gerechnet.

Der ausgewiesene Umsatz sank wegen negativer Währungseffekte leicht auf 43,109 Milliarden Franken. Diese Kennzahl ist für Anleger allerdings zweitrangig, da sie auch durch Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen beeinflusst wird.

Nachhaltiges Wachstum bleibt im Fokus

Die Entwicklung der Absatzmengen gilt als wichtiger Gradmesser für die operative Erholung des Konzerns. Nach mehreren Jahren, in denen das Wachstum stagnierte und vor allem von Preiserhöhungen getragen wurde, erklärte der seit September 2025 amtierende CEO Philipp Navratil nachhaltiges Mengenwachstum zur obersten Maxime. Mit den Zahlen erfüllte Nestlé die Erwartungen der Analysten.

«Das Wachstum in den aufstrebenden Märkten hat sich beschleunigt», erklärte Navratil. «In den Industrieländern konnten wir wiederum eine solide Performance erzielen.»

Im Gesamtjahr 2026 solle das organische Wachstum voraussichtlich im Bereich von drei bis vier Prozent liegen. Die operative Ergebnismarge solle gemessen an den 16,1 Prozent von 2025 zulegen.

Im Halbjahr sank der Nettogewinn infolge höherer Restrukturierungskosten und Abschreibungen auf zu verkaufende Vermögenswerte um 31,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken.

Nestlé kündigte zudem an, sein Wassergeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Platinum Equity einzubringen. Das 50:50-Joint Venture Peranel solle mehr als 30 Marken und Produkte umfassen, die in 120 Ländern verkauft würden. Dazu gehören bekannte Mineralwassermarken wie S.Pellegrino, Perrier und Acqua Panna.

Die Transaktion bewerte Peranel mit einem Unternehmenswert von 4,9 Milliarden Euro. Daraus ergebe sich bei Abschluss der Transaktion ein Mittelzufluss für Nestlé von rund drei Milliarden Euro. Der Abschluss werde voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 erfolgen.

Navratil ist dabei, das Geschäft auf die vier Bereiche Kaffee, Produkte für Heimtiere und Nutrition sowie regionale Kulinarikprodukte und Snacks zu fokussieren. Das verbleibende Speiseeisgeschäft soll an den Haagen-Dazs-Besitzer Froneri verkauft werden. Zudem suche Nestle nach Käufern für das Geschäft mit günstigen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln sowie für die Kaffeekette Blue Bottle Coffee.

(Reuters/AWP/cash)