Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geht nicht davon aus, dass der Krieg gegen den Iran Jahre dauern ‌wird. Während ⁠die Kämpfe am vierten Tag weiter eskalierten und den weltweiten Flugverkehr massiv beeinträchtigten, bereitet sich das israelische Militär auf einen Einsatz von mehreren Wochen vor. Der Reisekonzern TUI kündigte am Dienstag ⁠an, noch im Laufe des Tages in Zusammenarbeit mit den Airlines der Golfstaaten gestrandete Touristen ausfliegen zu lassen.

Der Konflikt werde «schnell und entscheidend» sein, sagte Netanjahu dem US-Sender Fox News. Zwar könne es einige Zeit dauern, es handele sich ‌aber nicht um einen endlosen Krieg wie frühere Konflikte in der Region. Das israelische Militär hat sich nach eigenen Angaben auf ‌mehrere Wochen eingestellt. Ein Einsatz von Bodentruppen im Iran sei unwahrscheinlich, teilte Oberstleutnant Nadaw Schoschani mit. ​Im Südlibanon hingegen operieren der Armee zufolge zusätzliche Bodentruppen zur Vorwärtsverteidigung. Israel hatte dort seit dem Waffenstillstand mit der Hisbollah im November 2024 an fünf strategischen Punkten Truppen stationiert.

Am vierten Tag des Krieges erschütterten erneut Explosionen die israelische Metropole Tel Aviv, als die Luftabwehr iranische Raketen abfing. Israel griff den Komplex des staatlichen iranischen Rundfunks in Teheran sowie Stellungen der mit dem Iran verbündeten radikal-islamischen Hisbollah im Libanon an. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) meldeten ihrerseits Erfolge: Sie hätten das Hauptquartier eines US-Luftwaffenstützpunkts in Bahrain mit Drohnen und Raketen zerstört. Zudem trafen Drohnen die US-Botschaft im saudi-arabischen Riad ‌und lösten einen Brand aus.

«Der Präsident wird nichts ausschliessen»

US-Präsident Donald Trump, der zunächst von einer Dauer von vier bis fünf Wochen ausgegangen war, rechtfertigte das Vorgehen als notwendig, um das iranische Atom- und Raketenprogramm zu stoppen. Satellitenbilder deuten darauf hin, dass erstmals eine iranische Atomanlage getroffen wurde. US-Aussenminister Marco Rubio warnte, die härtesten Schläge des US-Militärs stünden noch bevor. Anders als Israel schloss Rubio ​den Einsatz von Bodentruppen nicht kategorisch aus. «Der Präsident wird nichts ausschliessen», sagte er Reportern. Bundeskanzler Friedrich Merz wird im Laufe des Tages in ​Washington mit Trump zusammenkommen. Bei dem Treffen wird der Iran-Krieg zentrales Thema sein.

Die Offensive der USA und Israels ​hatte am Samstag mit Angriffen auf Teheran begonnen, bei denen das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, getötet wurde. Ein Nachfolger soll laut iranischen Angaben bald bestimmt werden. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die ‌gesamte Golfregion ausgeweitet, Hunderte Zivilisten kamen ums Leben. In Kuwait wurden sechs US-Soldaten bei iranischen Vergeltungsangriffen getötet. Zudem schoss die kuwaitische Luftabwehr versehentlich drei US-Kampfjets vom Typ F-15E ab; die sechs Besatzungsmitglieder konnten sich retten.

Für Trump ist der Angriff das grösste aussenpolitische Wagnis seit Jahrzehnten. Umfragen zufolge unterstützt nur jeder vierte US-Amerikaner den Krieg, was angesichts der anstehenden Zwischenwahlen in diesem Jahr ein Risiko für die ​Republikaner darstellt. Russland, ​China und die Türkei verurteilten das Vorgehen scharf.

Turbulenzen an den Finanzmärkten

Die Kämpfe haben den globalen ⁠Luftverkehr ins Chaos gestürzt und die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus zum Erliegen gebracht. Nach Angaben des Auswärtigen ​Amts sind etwa 30.000 deutsche Urlauber in ⁠der Region, vor allem in den Golfemiraten, gestrandet. In der Nacht aktualisierte das Ministerium erneut seine Reise- und Sicherheitshinweise für die Länder der Region. Allgemein wird vor Reisen in den Nahen ‌Osten gewarnt.

Der Touristikriese TUI geht davon aus, seine im Nahen Osten auch auf Kreuzfahrtschiffen festsitzenden Kunden binnen einiger Tage zurückholen zu können. Man plane, die Urlauber mit Partner-Airlines wie Etihad, Emirates und Qatar Airways nach Deutschland zurückzubringen, sagte Konzernchef Sebastian Ebel dem Sender ntv. «Wir gehen aktuell davon aus, dass wir die ersten Flüge mit ‌diesen Unternehmen und unseren Gästen heute durchführen können.»

Turbulenzen gibt es nach wie vor auch an den Finanzmärkten. Da ein Fünftel des weltweiten ​Ölhandels durch die gesperrte Strasse von Hormus transportiert wird, zogen die Ölpreise und Frachtraten für Supertanker auf Rekordhochs an. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 78,83 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte um ein Prozent auf 71,97 Dollar zu. Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Preisen. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar an und hält ‌im Extremfall eines längeren Konflikts sogar 120 bis 150 ​Dollar für möglich.

(Reuters)