Israel und der Iran haben auch am Dienstag ihre gegenseitigen Bombardements fortgesetzt. Israel wurde nach Angaben seines Militärs ‌in ⁠mehreren Wellen mit Raketen angegriffen. Alarmsirenen ertönten unter anderem in Tel Aviv, wo grosse Löcher in einem mehrstöckigen Wohngebäude klafften. Rettungskräfte suchten nach eigenen ⁠Angaben nach möglicherweise eingeschlossenen Zivilisten.

Ob die Schäden durch einen direkten Treffer oder durch herabstürzende Trümmer abgefangener Raketen entstanden, war zunächst unklar. Im Iran wiederum griff das israelische Militär ‌nach eigenen Angaben in der Nacht mehr als 50 Ziele an, darunter Raketendepots - und Abschussanlagen. ‌Am Montag hätten israelische Kampfjets zudem im Zentrum Teherans diverse Kommandozentralen attackiert.

Widersprüchliche ​Angaben zu angeblichen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran sorgten derweil weiterhin für Verunsicherung. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump gab es diese und sie seien «sehr gut und produktiv» verlaufen. Es sei um eine «vollständige und umfassende Beilegung der Feindseligkeiten im Nahen Osten» gegangen, hatte er am Montag mitgeteilt. Irans einflussreicher Parlamentspräsident Mohammed Baker Kalibaf dementierte dies allerdings.

Es habe keine Verhandlungen gegeben, erklärte er. Kalibaf warf den USA vor, mit gezielten ‌Falschmeldungen die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren, um «dem Morast zu entfliehen, in dem die USA und Israel gefangen sind». Die iranischen Revolutionsgarden kündigten neue Angriffe auf US-Ziele an. Aus Israel kamen pessimistische Töne. Trump sei zwar entschlossen, einen Deal mit dem Iran zu erzielen, sagten drei hochrangige israelische Vertreter. ​Der Iran werde sich darauf aber wohl nicht einlassen.

Ultimatum verlängert - aber nur für Angriffe auf Energie

Trump hatte dem Iran am Wochenende ein Ultimatum zur Öffnung der für den weltweiten ​Öl- und Flüssiggastransport enorm wichtigen Strasse von Hormus gesetzt. Die Meerenge ist seit Beginn der Angriffe der USA und Israels vor mehr als drei Wochen faktisch blockiert, was ‌zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise geführt hat.

Ursprünglich sollte das Ultimatum in der Nacht zu diesem Dienstag (MEZ) ablaufen, doch noch am Montag verlängerte Trump es um fünf Tage mit Verweis auf die angeblichen Gespräche mit dem Iran. Ein US-Regierungsvertreter betonte gegenüber dem Nachrichtenportal «Semafor», dass die Angriffspause ausschliesslich für ​iranische Energieanlagen ​gelte. Auf militärische Ziele würden die USA ihre Angriffe fortsetzen.

Nach Trumps ⁠Angaben führten sein Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner am Sonntagabend Gespräche mit ​einem hochrangigen iranischen Vertreter. Dessen Namen ⁠nannte er allerdings nicht. Es herrsche aber in fast allen Punkten Übereinstimmung, sagte Trump gegenüber Journalisten am Montag. Einem europäischen Insider zufolge fanden ‌zwar keine direkten Verhandlungen statt, jedoch übermittelten Ägypten, Pakistan und Golfstaaten Nachrichten zwischen den Konfliktparteien.

Direkte Gespräche zur Beendigung des Krieges könnten einem pakistanischen Insider zufolge noch in dieser Woche in Islamabad stattfinden. Erwartet würden dazu US-Vizepräsident JD Vance, Witkoff und Kushner. ‌Das Weisse Haus bestätigte ein Telefonat Trumps mit dem pakistanischen Armeechef Asim Munir.

Der iranische Präsident Massud Peseschkian ​sprach iranischen Medien zufolge mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif über die Sicherheitslage. Zudem beriet der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi nach Ministeriumsangaben mit seinem omanischen Amtskollegen über die Entwicklung rund um die Strasse von Hormus.

(Reuters)