Neue Apple-Modelle - Experte zerlegt die neuen iPhones in Einzelteile

Der UBS-Technologieanalyst kauft sich die iPhones 8 und 8+ sowie das iPhone X und schraubt diese auseinander. Was das Innenleben interessantes über die Materialkosten und die Zulieferer verrät.
14.11.2017 14:16
Von Lorenz Burkhalter
Der Sensorenhersteller AMS liefert den 3D-Sensor für die Gesichtserkennung beim neuen iPhone X.
Der Sensorenhersteller AMS liefert den 3D-Sensor für die Gesichtserkennung beim neuen iPhone X.
Bild: ZVG

Kommt eine neue Generation von Smartphones eines führenden Anbieters in die Läden, interessiert Anleger vor allem zwei Dinge: Welche Komponenten sind ins Gerät verbaut und wer liefert sie? Um diese beiden Fragen beantworten zu können, spazieren Aktienanalysten für gewöhnlich ins nächste Fachgeschäft und erstehen das gewünschte Gerät. Dieses wird dann in seine jeweiligen Einzelteile zerlegt. Im amerikanischen Sprachgebrauch spricht man auch von einem "Teardown".

Mitte September stellte ja das amerikanische Kultunternehmen Apple der Weltöffentlichkeit das neue iPhone 8 und 8+ sowie das hochpreisige Jubiläumsmodell iPhone X vor. Interessante Einblicke liefert ein vom Technologieanalysten der UBS Investmentbank durchgeführter "Teardown" dieser drei Geräte.

Erzrivale Samsung verdient kräftig mit

Der Experte schätzt die Materialkosten des iPhone X auf 413 Dollar für jedes Gerät. Das sind fast 50 Prozent mehr als die 279 Dollar, welche im iPhone 8 verbaut sind. Das iPhone 8+ kommt immerhin auf Materialkosten von 318 Dollar.

Die Materialkosten der iPhone-Modelle im Überblick:

Von den 413 Dollar für das iPhone X entfallen stolze 105 Dollar auf das OLED-Display. Zum Vergleich: Das Display des iPhone 8+ ist gerademal halb so teuer. Davon profitiert ausgerechnet Samsung. Der UBS zufolge ist der koreanische Erzrivale der Exklusivlieferant für das OLED-Display.

Sensorenhersteller AMS ist mit an Bord

Doch auch das Gehäuse des Jubiläumsmodells kostet in der Anschaffung deutlich mehr. Dazu kommt neu die Gesichtserkennung. Die Kosten für den 3D-Sensor sowie die dazugehörenden Komponenten schätzt der Technologieanalyst auf 19 Dollar.

Diesen Betrag teilt sich der an der Schweizer Börse SIX kotierte Sensorenhersteller AMS mit Lumentum/Win Semis, Finisar, ST Microelectronics, LGI, Sharp und HonHai. Es gibt Schätzungen, wonach AMS an jedem iPhone X zwischen 4 und 5 Dollar verdient.

Der Gesichtserkennung mittels eines 3D-Sensors wird eine grosse Zukunft vorhergesagt. Allerdings sind sich Experten uneinig, ob diese Technologie von Anbietern von Android-Geräten auf absehbare Zeit übernommen wird.

In einer komfortableren Situation sind da die Hersteller von Speicherkomponenten, gelten diese doch schon heute als Massenware. Bei diesen Bauteilen setzt Apple neben SK Hynix, Micron Technology, Toshiba und SanDisk übrigens einmal mehr auf den Erzrivalen Samsung.

Das Spezialglas für die Gerätehülle liefern Corning, Biel Crystal sowie Lens Technology.

Werden steigende Materialkosten für die Anbieter zum Bumerang?

Für den Experten der UBS steht fest: Über alle drei neuen iPhone-Modelle hinweg sind die Materialkosten zwischen 8 und 10 Prozent höher als ursprünglich gedacht. Schuld sind höhere Kosten für die Displays sowie für die Gerätehülle.

Während er von den in den letzten Jahren stark gestiegenen Materialkosten ausgehend mit negativen Auswirkungen auf die weltweite Smartphone-Nachfrage rechnet, hält der Analyst den Marktführer Apple nur für am Rande davon betroffen. Anders als die Kunden anderer Anbieter seien jene der Amerikaner markentreu und wenig preissensitiv, so lässt er durchblicken.