Die Diskussionen über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank Fed dürften in der neuen Woche den Takt am Aktienmarkt vorgeben. Am Freitag äusserte Fed-Chef Kevin Warsh seine Sorge über Inflation, die nach wie vor über dem 2-Prozent-Ziel der amerikanischen Zentralbank liegt.

«Hier ist mein Massstab: Wir müssen davon überzeugt sein, ⁠dass sich die zugrunde liegende Inflation auf unser Ziel zubewegt – und zwar eindeutig und ‌mit ausreichender Geschwindigkeit», sagte Warsh auf ‌dem Wirtschafts-Symposium der Federal Reserve im ​Bundesstaat Wyoming und fügte an: «Andernfalls steht uns noch Arbeit bevor.» Mehrere Vertreter der US-Notenbank dringen angesichts der anhaltend hohen Inflation auf eine Zinserhöhung.

«Der Fed-Chef ist bereit, an der Zinsschraube zu drehen, falls die Inflationslage ​sich nicht zügig aufhellt», sagte LBBW-Analyst Elmar Völker. Er ​erhöhe damit die Spannung vor der nächsten ​Zinssitzung Mitte September. 

Der am nächsten Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht könnte weitere Hinweise auf die geldpolitischen Pläne der Fed bringen. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass die Jobdaten im ⁠August eher gegen eine Zinserhöhung sprechen. Sie wären wohl nicht stark genug, um die Geldpolitiker von der Notwendigkeit höherer Zinsen zu überzeugen, hiess es in einer Kurzstudie.

Die US-Währungshüter, ​die für Vollbeschäftigung und stabile Preise sorgen sollen, hatten den Leitzins bei der Sitzung Ende Juli in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Gleichzeitig mehrten sich in der amerikanische Notenbank angesichts der hartnäckig hohen Teuerung jedoch die Rufe nach einer Zinserhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh hat sich mit Blick auf den weiteren geldpolitischen Kurs bislang bewusst bedeckt gehalten.

Anleger stellen sich auf Zinserhöhungen im Euro-Raum ein

In der Eurozone rücken primär die vorläufigen Zahlen zur Entwicklung der Inflation in den Fokus. Am Montag werden die deutschen Daten für August veröffentlicht, am Dienstag die für den gesamten Euro-Raum. Aufgrund der durch den Nahost-Konflikt höheren Energiepreise dürfte die Inflation ‌in der Eurozone laut Commerzbank spürbar von 2,9 Prozent im Juli auf 3,3 Prozent im August springen.

Die Anleger stellen sich inzwischen darauf ein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 10. September die Zinsen wohl von 2,25 auf 2,50 Prozent schrauben wird. Die Wahrscheinlichkeit von sekundären Preiseffekten der teureren Energie auf andere Bereiche habe zugenommen und es zeichne sich immer noch keine Entspannung bei den Ölpreisen ab, sagte Robert ​Greil, Chefstratege bei Merck Finck. Die EZB hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren erhöht.

Wie es um die Konjunktur dies- und jenseits ​des Atlantiks bestellt ist, dürften die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie im Euro-Raum und in den USA im August zeigen (Dienstag). Am Donnerstag ​folgt der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Zur Wochenmitte stehen aus den USA die Daten zu den Aufträgen in der US-Industrie im vergangenen Monat an, am Freitag die Aufträge der deutschen Industrie.

Kehrt die Lufthansa in den Dax zurück?

Auf der Unternehmensseite könnte der ‌Indexentscheid der Deutschen Börse am Donnerstag für Gesprächsstoff sorgen. Dann könnte die Rückkehr der Lufthansa in den deutschen Leitindex Dax gelingen. Doch Experten sind vorsichtig geworden: Es werde wieder einmal eng. Mögliche Dax-Absteiger wären der Online-Modehändler Zalando und die Immobilien-Plattform Scout24. In den Nebenwerteindizes MDax und SDax stehen voraussichtlich keine grösseren Änderungen bevor, nachdem der letztere im Juni gleich sieben neue Mitglieder bekommen hatte.

Neben der Lufthansa richtet sich der Blick in der neuen Woche ​auch auf Volkswagen. ​Wenn am Freitag der Aufsichtsrat zusammentritt, geht es auch um die Frage, wie Management, Grossaktionäre und Arbeitnehmer in ⁠Zukunft zusammenarbeiten und wer das Sagen in dem Konzern mit seinen weltweit mehr als 650'000 Mitarbeitern hat. Sollte es den Grossaktionären, ​dem Land Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern dabei nicht ⁠gelingen, einen Kompromiss zu finden, steht ein Machtkampf bevor. Laut Insidern liegen für die Sitzung gleich drei Sanierungskonzepte auf dem Tisch. Der wegbrechende Markt in China, die Zölle von US-Präsident Donald Trump und der harte ‌Wettbewerb durch chinesische Anbieter auf dem europäischen Heimatmarkt setzen dem Autobauer zu.

(Reuters)